Studium & Campusleben

Praktika während Corona - Der Spagat zwischen Schule, Hochschule und Coronamaßnahmen

Nach drei Online-Semestern öffnete die Pädagogische Hochschule wieder ihre Pforten und startete in ein Präsenzsemester. Zeitgleich starteten Studierende in Ihre Praktika und versuchen seitdem den Spagat zwischen Hochschule, Schule und Coronamaßnahmen zu meistern.

Das neue Jahr hat begonnen und das Coronavirus beherrscht nach wie vor unseren Alltag. Nach drei Online-Semestern startete die Pädagogische Hochschule (PH) in Ludwigsburg im Oktober in die  Präsenzlehre. Mit dem Start des Semesters begann auch für viele Studierende ihr Praktikum oder die Vorbereitungen dafür. Doch inwieweit sind Praktika zu Zeiten von Corona möglich? Durch die steigenden Fallzahlen haben sich außerdem die Regeln an der PH verschärft. 2G-Kontrollen und ständiges Lüften, trotz des Winters, stehen an der Tagesordnung. Speziell die Lehramtsstudierenden, die dieses Semester ihr Integriertes Semesterpraktikum (ISP) absolvieren, haben sowohl mit den Coronamaßnahmen in ihrer Praktikumsschule als auch in der PH vor Ort zu kämpfen. Inwieweit diese Studierenden die Umstände empfinden, soll im folgenden Interview mit einer Kommilitonin, die gerade ihr ISP absolviert, deutlich werden.

Magst du dich zuerst einmal kurz vorstellen? 

Hallo, ich studiere Sonderpädagogik. Im ISP bin ich in einer Schulklasse, welche sich KOF nennt (Kooperative Organisationsform). Es handelt sich um eine Grundschulklasse, bei welcher 6 Schüler*innen mit sonderpädagogischen Förderbedarf unterrichtet werden.

Da das ISP vielleicht nicht jedem etwas sagt – Was ist das ISP?

Das ISP ist das integrierte Semesterpraktikum. Dabei geht es darum, Erfahrung in der Praxis zu sammeln und über einen längeren Zeitraum von drei Monaten am Stück zu schauen, ob einem der Beruf, den man studiert, tatsächlich Spaß macht. Man soll in die Lehrer:innenrolle schlüpfen, um zu sehen, ob man den Beruf wirklich ausüben möchte. An vier Tagen in der Woche ist man in der Schule und an einem an der PH, um an Begleitveranstaltungen teilzunehmen.

Welche besonderen Regeln gelten an deiner Schule aufgrund von Corona?

Wie überall gilt bei uns ganztägig die Pflicht zum Tragen einer Maske. Die meisten trugen bei uns von Beginn an eine FFP2-Maske. Ansonsten gibt es geänderte Pausenzeiten. Es wird darauf geachtet, dass immer nur die 1. und 2. Klasse sowie die 3. und 4. Klasse gemischt werden. Da ich bei einer eher kleinen Schule bin, funktioniert das ganz gut. Die Pausenzeiten sind etwas gewöhnungsbedürftig und auch eine Schulklingel gibt es dadurch aktuell nicht. 
Außerdem werden die Schüler und Schülerinnen (SuS) drei Mal in der Woche getestet. Der erste Test findet am Montag statt, der zweite am Mittwoch und der letzte am Freitag. Wenn wir freitags ins Schwimmen gehen, dann wird schon donnerstags getestet. Es ist ganz cool, dass wir noch schwimmen gehen dürfen. Wir sind die einzige Klasse in der Schwimmhalle, da alle anderen nicht mehr kommen. Im Anschluss werden wir  von einem gesonderten Bus zurück zur Schule gebracht.  Ich glaube sonst gibt es keine Besonderheiten aufgrund von Corona. Natürlich findet viel nicht statt, das Theater wurde abgesagt, Konferenzen sind überwiegend online. Aber wir durften z.B. für Experimente mit unserer Schulklasse an die PH und dort Chemie-Experimente durchführen, das hat den Kindern gefallen. 
Man merkt jedoch schon, dass den SuS der soziale Umgang fehlt und aufgrund von Aussagen der Lehrer:innen sind sie vom Lernstand hinterher. 


Welche Schwierigkeiten ergeben sich für die Kinder, die Lehrpersonen und für dich wegen der Coronamaßnahmen?

Für alle ist das ständige Maske-tragen schon anstrengend, die SuS müssen auch stetig daran erinnert werden. Von den Eltern habe ich nichts mitbekommen. 
Für uns ISPsler:innen ist es natürlich schade, da wir deshalb weniger vom Schulleben mitbekommen. Bei einem Elterngespräch konnten wir mitgehen, aber Konferenzen, Weihnachtsfeiern o.ä. finden nur unter den Lehrpersonen statt. Wir hätten auch gerne in der Stammschule hospitiert, das geht aufgrund von Corona leider auch nicht. 

Würdest du sagen, dass die Maßnahmen in Schulen mit sonderpädagogischem Schwerpunkt eine größere Schwierigkeit darstellen?

Meiner Meinung nach ja. In meiner ISP-Schule nicht, da die SuS überwiegen selbstständig sind und wenig auf Hilfe angewiesen sind aber im Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) direkt dreht sich in meinem Förderschwerpunkt auch einiges um Pflege. Da kann der Abstand nicht gehalten werden und die SuS sind von Grund auf gesundheitlich vorbelastet und sollten umso mehr geschützt werden. Aber auch die Betreuung ist nicht so einfach. 
Die SBBZs meines Förderschwerpunktes hatten ja auch fast während der ganzen Pandemie geöffnet. Also an der Grundschule waren dann z.B. die Kinder der Grundschule zu Hause und die Kinder mit Förderbedarf sind trotzdem zur Schule gekommen. 
Ich finde es ist auch eine Verständnisfrage, Corona und alle Regeln sind in der Grundschule schwer verständlich zu erklären, für SuS eines SBBZs ist es in meinen Augen nochmal schwieriger. 
Außerdem fehlt den Kindern grundsätzlich der soziale Austausch und Kontakt. 

Da du neben dem ISP trotzdem auch Vorlesungen an der Hochschule hast und auch dort bestimmte Coronaregeln gelten, würde ich dir gerne auch hierzu ein paar Fragen stellen. 


Hättest du dir ein weiteres Online-Semester gewünscht oder hast du dich über das überwiegende Präsenz-Semester gefreut?

Im ISP wäre ich wirklich ungern im Online-Modus geblieben. Die Begleitveranstaltungen für das ISP könnten in meinen Augen jedoch immer online sein. Auch nach Corona. Es gibt Studierende, die einen weiten Weg auf sich nehmen müssen, um an diesen Veranstaltungen teilnehmen zu können, da das ISP ja in ganz Baden-Württemberg stattfinden kann. 
Meine Veranstaltungen sind teilweise online und teilweise präsent, was dazu führt, dass ich den ganzen Tag an der Hochschule verbringe. 
Anstrengend ist in meinen Augen das hin- und her und dass es letztendlich jeder macht, wie er möchte. Beim einen 3G, beim anderen 2G, beim nächsten 2G+…
Persönlich fände ich eine Mischung gut, offizielle Präsenztage und ansonsten Online-Angebote.

Haben sich deine Vorstellungen von diesem Präsenz-Semester unter den Coronamaßnahmen erfüllt?

Ich finde die Präsenzlehre sehr anstrengend, da ich nahezu die ganze Woche über meine FFP2-Maske trage und wegen jedem Raumwechsel Ausweis und Impfnachweis vorzeigen muss. Zudem sind nicht viele Studierende an der PH. Also nein, es fühlt sich mehr nach einem gezwungenen Präsenztag an als nach einem sinnvollen. 


Wie nimmst du die Situation an der PH aufgrund von Corona und den Maßnahmen wahr?
Mit Ärger, Frust, Unsicherheit, Unwissenheit und auch Angst. 


Gibt es Umstände, die dich an der Hochschule stören?
Die Organisation von Präsenz- und Online-Lehre, der Mischmasch und die Tatsache, dass manche sich an Regeln halten und manche nicht. 

Was würdest du dir für dein weiteres Studium, in Bezug auf die Pandemie, wünschen?
Klare Strukturen, Vorgaben und sinnvolle Organisation. Außerdem, dass es auch einheitliche Vorschriften gibt, an die sich dann auch gehalten werden muss.

-Hinweis der Redaktion: Aktuelle Vorgaben, Vorschriften und  Informationen zum Hochschulbetrieb während der Corona-Pandemie finden Sie unter: https://www.ph-ludwigsburg.de/aktuelles/detail/aktuelle-informationen-zum-hochschulbetrieb-1 - 


Denkst du, dass Corona ein Nachteil für dein ISP darstellt? 
Nicht so sehr, wie ich angenommen hatte, aber dennoch ja. Es ist außerdem auch eine Ausnahmesituation, wie man die Schule sonst nicht kennenlernt, also vielleicht auch irgendwo ein Vorteil, aber der Nachteil überwiegt. 


Durch das Interview wird deutlich, dass Praktika zu Zeiten der Pandemie mit vielen Kompromissen und Einschränkungen verbunden sind. Auch die Umstände an der Hochschule sind verbesserungsfähig. Somit bleibt nur, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen, an einem Strang zu ziehen und auf ein besseres Jahr zu hoffen.