Sport & Lifestyle

Der FC Barcelona in der Krise

Kriegt der Fußball-Gigant nochmal die Kurve?

Der fünfmalige Champions-League-Sieger und 26-malige spanische Meister kämpft heute mit Schulden in Milliardenhöhe und muss ohne Weltfußballer Lionel Messi auskommen. Doch wie geht es jetzt mit dem ehemals so erfolgreichen Klub weiter, nachdem die letzten Jahre so miserabel waren?

Vor zehn Jahren noch am europäischen Gipfel, heute nur noch zweite Geige: In den Jahren 2009 – 2019 hat der FC Barcelona sportlich alles erreicht, was man auf Klubebene erreichen kann. Das erste Jahr unter dem damaligen Trainer Pep Guardiola endete mit dem sogenannten Sextuple: Der Verein gewann den LaLiga-Titel, die Champions League, die Copa del Rey, den europäischen Supercup, den spanischen Supercup und die FIFA Klubweltmeisterschaft. Etwas, das zu dem Zeitpunkt für lange Zeit unerreicht war, wurde seitdem nur vom FC Bayern München im Jahr 2020 ausgeglichen. Auch das Jahr 2011 wurde vom FC Barcelona mit fünf Titeln, mitunter dem der Champions League, beendet. Auch die weiteren Jahre sprechen für sich. National wurden zwischen 2009 und 2019 acht Meisterschaften und drei Champions League-Titel geholt. Davon ist der Klub heute sehr weit entfernt - aktuell finden sie sich tabellarisch in der spanischen La Liga unter den besten vier Mannschaften wieder und in der Champions League sind sie bereits in der Gruppenphase als Drittplatzierter in die Europa League abgestiegen. Barca, wie ihn die Anhänger des Klubs nennen, ist durch die finanzielle Angeschlagenheit stark eingeschränkt. Laut Sky Sports betragen die Schulden des FC Barcelona zurzeit ca. 1,35 Milliarden Euro. Diverse Gehaltskürzungen und Verkäufe von Top-Spielern waren notwendig, um die finanzielle Situation zumindest etwas zu stabilisieren. Aktuell gibt es sehr viele Fragen rund um den Klub. Wie konnte es soweit kommen? Wie geht es in Zukunft mit dem Klub in finanzieller und sportlicher Hinsicht weiter?  


Wofür steht der FC Barcelona?

Der FC Barcelona wurde im Jahr 1899 gegründet und gehört - trotz seiner aktuell schwierigen Verfassung - immer noch zu den besten Vereinen in Spanien. In der Vereinshistorie des Klubs konnten sich seither viele große Spieler, u.a. Johann Cruyff, Ronaldo Nazario, Ronaldinho oder Lionel Messi, verewigen. Vor allem Cruyff zählt als eine sehr wichtige Person des Klubs, da er als einer der Gründerväter des ballbesitzorientierten und offensiven Fußballs gilt. Diese Werte machen die Spielweise des Klubs heute immer noch besonders aus. Das sogenannte Tiki-Taka-Spiel, das vor allem unter Guardiola perfektioniert wurde, aber auch von Trainern wie Luis Enrique (2014-2017) angepasst wurde, bildet den Kern ihrer Spielweise. Dabei geht es darum, den Ball präzise und schnell von einem Mann zum anderen zu spielen und dabei so viele Anspielstationen wie möglich bieten zu können. Es sollte immer mindestens ein freier Spieler anspielbar sein, den die Mitspieler suchen müssen. Da die Spielweise sehr ballbesitzorientiert ist, ist dafür eine sehr gute Technik und eine enorme Geduld im Spiel erforderlich. Diese Spielweise wird jedoch nicht nur von den erwachsenen Herren gespielt, sondern auch bereits in der Jugendabteilung La Masia gelehrt. Das macht es für den Klub leichter, junge Talente in die erste Mannschaft hochzuziehen, da sie bereits mit der Spielweise und der Grundidee vertraut sind. Spieler wie Xavi Hernandez, Andres Iniesta, Sergio Busquets oder Lionel Messi sind ein paar, die die Jugendabteilung Barcas durchlaufen haben und am Ende sehr erfolgreich wurden. Eine hervorragende Jugendarbeit und ein sehr disziplinierter und geduldiger Fußball waren der Kern der bisher erfolgreichsten Jahre der Klubgeschichte.

Das zweite Triple 2015 – eine alternde Generation erreicht ihren Zenit

Nach den vier erfolgreichen Jahren unter Pep Guardiola von 2008 bis 2012 kann man die nachfolgenden Jahre 2013 und 2014 als weniger erfolgreich einstufen. Guardiolas Nachfolger Tito Vilanova konnte den Klub nur eine Saison trainieren, da er aufgrund eines Tumors für sehr lange Zeit während der Saison ausfiel. Ein Jahr später erlag der ehemalige Co-Trainer seinem Krebsleiden. Es kam Gerardo Martino, der allerdings auch nur eine Saison auf der Trainerbank Platz nehmen durfte, da er in der Saison 2013/ 2014 keinen einzigen Titel holte. Auf Martino folgte Luis Enrique, der ebenso wie Pep Guardiola einst Spieler bei Barcelona gewesen war. Wie Pep hatte auch er vor seiner Zeit bei den Blaugrana wenig Erfahrung beim Coachen eines so großen Klubs gesammelt. Auch er nahm diese Herausforderung an und hatte ähnlichen Erfolg: In seinem ersten Jahr als Trainer gewann Luis Enrique mit Barca fünf von sechs möglichen Titeln, darunter das Triple aus Liga, Pokal und Champions League. Die Mannschaft, der zu dem Zeitpunkt immer noch zahlreiche Erfolgsträger wie Messi, Xavi, Iniesta, Dani Alves oder Gerard Piqué angehörten und mit Neymar (2013) sowie Luis Suarez (2014) zwei neue Hochkaräter hinzukamen, hatte erneut den Gipfel des sportlichen Erfolgs erreicht.

Die Jahre danach 

Nachdem 2015 ein sehr erfolgreiches Jahr für den Klub war, kamen weniger erfolgreiche Jahre hinzu. 2016 konnte man unter Luis Enrique immer noch das Double aus nationalem Pokal und der Meisterschaft feiern, in der Champions League hingegen schied man bereits im Viertelfinale kläglich gegen Atlético Madrid aus. 2017 konnte man sich durch ein historisches Rückspiel gegen Paris St. Germain, das man in Paris noch mit 4-0 verloren hatte, mit einem 6-1-Sieg ins Viertelfinale der Champions League retten, schied dann aber in der nächsten Runde gegen Juventus Turin (3-0; 0-0) aus. Auch in der Liga lief man den eigenen Erwartungen hinterher. Man konnte nicht mehr so konstant performen wie zuvor und wurde in der Saison 2016/2017 zweiter – hinter dem Erzrivalen Real Madrid. Dieser gewann dann im selben Jahr noch die Champions League und verteidigte sie zweimal hintereinander, nachdem der Hauptstadt-Klub bereits 2016 der glorreiche Sieger des Henkelpotts gewesen war. Mit dem Sieg im spanischen Pokal - der Copa del Rey - verabschiedete sich Luis Enrique und legte sein Amt als Trainer beim FC Barcelona im Jahr 2017 nieder. Im gleichen Jahr wurde Ernesto Valverde (zuvor Athletic Bilbao) als Trainer vorgestellt, der eine große Aufgabe vor sich hatte, das Starensemble mit Messi, Suarez, Neymar und die immer älter werdenden Routiniers Gerard Piqué und Andres Iniesta zu trainieren. Gerade Neymar suchte eine neue Herausforderung und verließ Barcelona im Jahr 2017 nach Paris. Dabei zahlte Paris St. Germain an Barcelona die laut transfermarkt.de bisher teuerste Ablösesumme der Welt von 222 Millionen Euro. Barcelona suchte Ersatz und fand ihn in Ousmane Dembele, der damals für eine Ablösesumme von 135 Millionen Euro kam, sich allerdings nie richtig beweisen konnte, da er über die Jahre hinweg mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte. Dennoch ließ zumindest national der Erfolg nicht lange auf sich warten. In den beiden Saisons 2017/ 2018 und 2018/2019 holte man zweimal hintereinander das Double aus Copa und Liga-Pokal. Allerdings ist das Scheitern in der Champions League innerhalb dieser zwei Saisons ein wunder Punkt bei den Fans geblieben. In beiden Jahren schaffte es die Mannschaft, nach deutlichen Siegen in den Hinspielen noch auszuscheiden. Das Halbfinale 2019 gegen den FC Liverpool dürfte dabei besonders im Gedächtnis bleiben, da sie es schafften, eine 3-0-Führung im Hinspiel mit einer 4-0-Niederlage im Rückspiel zu verspielen. Es entstanden viele Unruhen rund um den Klub und auch Valverde gerat zunehmend in die Kritik, da sein Spielstil nicht dem des FC Barcelona entsprach. Es folgten in den weiteren zwei Jahren mit Quique Setien und Ronald Koeman zwei weitere Trainer, die es nicht schafften, den Erfolg dauerhaft nach Barcelona zurückzubringen. Man blieb national sowie international hinter den Erwartungen zurück und immer mehr ehemalige Stars wie Iniesta, Rakitic, Messi oder Neymar verließen den Klub. Diejenigen aus der goldenen Generation, die noch da sind, konnten seither nicht mehr an ihre Glanzform aus alten Tagen anknüpfen.

Die finanzielle Misere

Der FC Barcelona hat aktuell mit einer sehr schwierigen Situation zu kämpfen. Zu hohe Ablösesummen und Spielergehälter wurden für Spieler gezahlt, die die erwartete Leistung nicht auf den Platz bringen konnten. Philippe Coutinho kam für 135 Millionen aus Liverpool und hatte seither nie einen dauerhaften Startplatz. 2020 war er zwischenzeitlich an Bayern München verliehen. Laut Sky Sports kam Antoine Griezmann 2019 für 120 Millionen Euro und hat ebenso nie an seine Leistung aus Madrid anknüpfen können. Aktuell ist er wieder an Atlético Madrid zurückverliehen. Diese hohen Zahlungen gepaart mit der Corona-Pandemie, die seit 2020 Einzug hält, haben dazu geführt, dass der FC Barcelona einen sehr hohen Schuldenberg im Wert von 1,35 Milliarden Euro abarbeiten muss. Laut ran.de machte der Klub im Jahr 2020/2021 der Verein einen Verlust in Höhe von 481 Millionen Euro. Dazu wurden neben den hohen Spielergehältern auch saftige Prämien für diverse Ziele innerhalb der Saison verteilt. Allein für das Absolvieren der Hälfte aller Spiele in der Saison 20/21 erhielten die Spieler insgesamt rund elf Millionen Euro. Für das Erreichen der KO-Runde in der Champions League bekamen sie rund 1,2 Millionen. Bei einem Triple-Gewinn hätten sie 3,6 Millionen Euro erhalten und für das Erfüllen des kompletten Vertrags nochmal 15 Millionen. Hochverdiener wie Griezmann, Suarez und Messi konnten finanziell nicht mehr gehalten werden und mussten den Klub verlassen. Die Spieler, die noch bei Barcelona spielen, mussten sich zu Gehaltskürzungen mit dem Klub einigen, damit dieser finanziell über die Runden kommen kann. Hinzu kommt, dass Barcelona Schwierigkeiten hat, neue Spieler zu kaufen, da ihnen das nötige Geld fehlt. Das erschwert es ihnen, mit anderen Mannschaften, die mehr Geld besitzen, zu konkurrieren. Man versucht momentan überall Geld zu sparen. Das führt dazu, dass man sich einmal mehr auf die eigene Jugendakademie verlassen muss. Es wurden einige Spieler hochgezogen, die sehr jung und unerfahren sind und die den Klub durch diese schwere Zeit führen sollen. Abgesehen davon kosten sie im Vergleich zu Hochkarätern wie Suarez oder Messi deutlich weniger an Gehalt. Luis Suarez wurde im Jahr 2020 für Bonuszahlungen und ohne eine richtige Ablösesumme an Atlético Madrid abgegeben. Ivan Rakitic, der zurück zum FC Sevilla wechselte, ereilte dasselbe Schicksal. So wollte man enorme Summen an Gehältern einsparen. Ein Luis Suarez hat, bevor er 2020 gewechselt ist, im Jahr rund 21 Millionen Euro an Gehalt verdient. Zum Vergleich: Sergio Agüero, der ein Jahr später zu Barca wechselte, verdiente rund sechs Millionen im Jahr. Aktuell gibt es beim FC Barcelona einen Umbruch, der ohne die prekäre finanzielle Lage vermutlich so radikal nicht zustande gekommen wäre.

Wie geht es mit dem Verein weiter?

Aufgrund der finanziellen Angeschlagenheit muss Barcelona auf die eigenen Talente setzen und zu seinen Wurzeln zurückkehren. Ein Neuanfang wurde gestartet, in dem junge Spieler wie Pablo Gavi, Pedri Gonzalez oder Ansu Fati eine feste Rolle spielen sollen. Hierbei zeigt sich bereits die Qualität der Talentschmiede La Masia, denn vor allem Gavi wusste in seiner ersten Saison unter den Profis zu überzeugen und spielt nahezu jedes Spiel. Pedri, der dieses Jahr zum Golden Boy - ein Preis, der den besten Jugendspieler des Jahres auszeichnet - gewählt wurde, hat bereits eine Profisaison absolviert und spielte die meisten Spiele von allen Spielern in Europas Top-5-Ligen im Jahr 2021.  Insgesamt absolvierte der junge Mittelfeldakteur laut Sky Sports mit Klub und Nationalmannschaft 73 Spiele. Er war vor seiner Verletzung absolute Stammkraft und konnte Spiel für Spiel überzeugen, auch wenn er nicht aus der Talentschmiede Barcas stammt, sondern für wenig Geld vom Zweitligisten UD Las Palmas gewechselt ist. Ansu Fati spielt bereits seit zwei Jahren unter den Profis und hatte mit gerade einmal 16 Jahren seinen ersten Einsatz in der Liga und in der Champions League.

Eine Verpflichtung macht den Fans des Klubs ganz besonders Hoffnung: die Trainerverpflichtung von Barca-Legende Xavi Hernandez. Er ist derjenige, mit dem ein Umbruch geplant ist und der den FC Barcelona eines Tages wieder an die Spitze führen soll. Er ist ebenso ein Befürworter des berühmten Barca-Spielstils, da er unter Pep Guardiola selbst diesen Spielstil praktiziert hat. Er möchte hoch pressen und den Gegner früh attackieren, um so schnelle Ballgewinne zu erzeugen. Des Weiteren möchte er ballbesitzorientierten Fußball spielen lassen.

Das Fazit

Trotz aller Probleme, die der Klub finanziell hat, kann man durch die jungen Talente einige Lichtblicke erkennen und auch durch die Verpflichtung von Xavi als Trainer sind Barcelona-Fans sehr hoffnungsvoll gestimmt. Nichtsdestotrotz wird es Zeit und viel Arbeit brauchen, bis die Mannschaft wieder auf ganz hohem Niveau mithalten kann. Noch dazu zwingt die finanzielle Lage den Klub zu niedrigen Spielergehältern, was es für einen Top-Klub in der heutigen Zeit schwer macht, neue Spieler zu verpflichten oder aktuelle Spieler zu behalten. Man muss abwarten und die Entwicklungen der Zukunft betrachten, bevor man erkennen kann, in welche Richtung sich der Klub entwickeln wird.