Rund ums Studium

Ghostwriting - schreiben und schreiben lassen?

Am Schreibtisch sitzend, mit Musik im Nacken - welche angeblich die Konzentration fördern soll - geht es am aufgeklappten Laptop mit der Bachelorarbeit los. Aus teils Überforderung und teils Prokrastination werden Begriffskombinationen wie „Tipps Bachelorarbeit“ oder „Wie bekomme ich eine 1,X“ in die Suchmaschine eingegeben. Dabei tauchen neben beliebten Tipps & Tricks, genauen Zeitplänen und Erfahrungsberichten unzählige Werbeanzeigen sogenannter Ghostwriter-Agenturen auf. Überschriften wie „ab 45€ zu deiner Bachelorarbeit mit Bestnote“ können dabei sehr schnell stutzig machen. Dass hiermit der minimale Preis pro Seite gemeint ist, wird erst nach genauerem Nachlesen ersichtlich. Doch was ist mit Ghostwriting eigentlich gemeint?

Das Bild zeigt einen Ghostwriter am Computer.

Ghostwriting kurz erklärt
Ghostwriter sind Autor*innen, die im Auftrag einer anderen Person, eines Unternehmens oder eines Verlags Texte verfassen und selbst dabei im Hintergrund bleiben, übersetzt quasi Geisterschreiber*innen. Wenn dabei Bachelor- oder Masterarbeiten verfasst werden, handelt es sich um akademisches Ghostwriting. Dieses kann aus verschiedenen Gründen in Betracht gezogen werden. Die Auftraggebenden haben oft Zeitmangel, ihnen fehlen gewisse Kompetenzen oder möchten sich Anregungen für ihre Arbeit einholen.

Ist Ghostwriting legal?
Um diese Frage beantworten zu können, müssen einzelne Umstände unterschieden werden. Laut eines Grundsatzurteils des OLG Frankfurt (Az: 11 U 51/08) im Jahr 2009 ist es grundsätzlich legal, dass Auftraggebende in Folge einer Vereinbarung eine nicht selbst geschriebene Arbeit als die eigene publizieren. Rechtliche Konsequenzen hat eine Veröffentlichung eines fremdgeschriebenen Textes dann, wenn eine Eidesstattliche Erklärung darüber abgelegt wird, dass die Arbeit ohne fremde Hilfe angefertigt wurde. Da das Unterschreiben einer Eigenständigkeitserklärung meist eine Voraussetzung für das Ablegen wissenschaftlicher Arbeiten darstellt, macht es das Ghostwriting im studentischen Kontext zu einer - nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich - heiklen Sache. Auftraggebende machen sich nach § 156 des Strafgesetzbuchs (StGB), aufgrund einer falschen Versicherung an Eides statt, sogar strafbar. Mögliche Konsequenzen wären demnach eine Exmatrikulation durch die Universität, aber auch mit einer Geldstrafe kann gerechnet werden. Deshalb dürfe eine solche Ghostwriting-Arbeit, laut des Grundsatzurteils, lediglich als Vorlage angesehen und nicht in eigenem Namen eingereicht werden.

Trotzdem scheint das Geschäft zu boomen, dieser Eindruck wird zumindest geweckt, wenn die unzähligen Websites und Ghostwriting-Portale näher betrachtet werden. Genauso erstaunlich sind die Preise, die im Netz angeboten werden. Diese reichen von wenigen Hundert Euro bis über 5000 Euro für eine 50-seitige Bachelorarbeit. Da bleibt es fraglich, ob eine Arbeit für diesen Preis lediglich als Anregung erworben wird und dennoch etwas komplett Eigenes verfasst wird. Ausschlaggebend sollte allerdings nicht der Preis oder drohende Konsequenzen dafür sein, eine Arbeit nicht ghostwriten zu lassen. Wie stolz kann man auf Leistungen sein, wenn diese nicht die eigenen sind und man sich mit fremden Lorbeeren schmückt?

Zurück am Schreibtisch und einige Minuten der Prokrastination später, wird diesmal aber wirklich mit dem Schreiben angefangen. Wenn schon nicht die Konzentrationsplaylist, dann werden - hoffentlich - zumindest die anderen Tipps helfen.


Wer Fragen oder Sorgen beim Schreiben seiner Abschlussarbeit hat, kann sich jederzeit an das Studierenden Service Center (SSC) wenden. Es ist eine allgemeine Anlaufstelle für Studierende der PH.

Auch das KomBi (Kompetenzzentrum für Bildungsberatung) ist eine zentrale Einrichtung der PH. In ihrer Beratungsstelle stehen Anliegen der Studierenden zu Stressmanagement, Zeitmanagement, Lernstrategien, Motivation und vielem mehr im Vordergrund. Je nachdem wie es für die Studierenden besser passt, finden die kostenlosen Beratungen vor Ort an der PH, per Telefon oder per Video statt.
Neben der individuellen Beratung werden außerdem Workshops für Studierende zu Themen wie "Eigene Stärken kennen", "Umgang mit Stress", "Lern- und Arbeitsplanung", "Zeitmanagement", "Aufschieberitis" und viele Weitere angeboten. Zu diesen Workshops können sich Studierende der PH per Mail anmelden. Auch diese sind kostenlos.