Rund ums Studium

Let´s talk about sex – Peer-Education im Klassenzimmer

„Mehr gelacht als gelernt“ - Was in der Schule alles so schiefläuft und wie „Mit Sicherheit Verliebt“ helfen möchte.

Kondome und die Anti-Baby-Pille

„Dann haben wir zum dritten Mal den Aufbau der Geschlechtsorgane gelernt und einem Holzpenis ein Kondom übergezogen. Im Unterricht haben wir wirklich mehr gelacht als gelernt“. Solche und ähnliche Erfahrungen teilen sicher sehr viele Menschen mit Elisa B*.
    Schwangerschaft, Kondome und Geschlechtsorgane – mit all diesen Themen ist wohl jede*r mehrmals im Sexualkundeunterricht konfrontiert worden. Doch geht es um z.B. Transsexualität, Geschlechtskrankheiten oder gleichgeschlechtliche Beziehungen, sieht es schon weniger rosig aus. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland hat zum Beispiel eine Studie für Deutschland übersetzt, welche zu dem erschreckenden Ergebnis kam, dass 77 Prozent der Schüler*innen sich nicht ausreichend über LGBTQ+ (lesbian, gay, bisexual, transsexual, queer und weitere Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen) Themen durch den Unterricht informiert fühlen. Elisa B. meint hierzu, dass sie damals ihre Wissenslücken großenteils im Internet schließen wollte, da sie sich nicht getraut hat, jemandem ihre Fragen zu stellen. Und damit war sie nicht allein. Leider unterlaufen die Jugendlichen hier der Gefahr, sich falsches Halbwissen anzueignen und damit sind sie dann genauso schlau wie vorher. Wie kann also der Sexualkundeunterricht in deutschen Schulen verbessert werden?

„Mit Sicherheit Verliebt“

Genau an diesen Problemen möchte das Projekt „Mit Sicherheit Verliebt“ (MSV) ansetzen. Dies wurde 2001 in Rostock von der AG Sexualität und Prävention der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) ins Leben gerufen. Über 18.000 Jugendliche werden jedes Jahr mit Lokalprojekten in 40 verschiedenen Städten in ganz Deutschland erreicht.

Das Prinzip ist einfach: Studierende setzen sich ehrenamtlich in Rahmen von Schulbesuchen für eine bessere Sexualaufklärung und den Abbau von Stigmata in Schulen ein. Spielerisch soll den Lernenden Wissen zu medizinisch relevanten Themen, wie zum Beispiel Pubertät, Sexualität und Beziehungen, vermittelt werden. Das Projekt soll Jugendlichen helfen selbstbestimmt und verantwortungsbewusst Entscheidungen zu treffen und gilt als Unterstützung einer aufgeklärten Entwicklung der Sexualität im Jugendalter. Ziele sind ein respektvolles Miteinander und eine Ergänzung der schulischen Wissensvermittlung.

Durchgeführt werden die Schulbesuche nach dem bewährten Konzept der sogenannten „Peer-Education“ - jung lehrt jung. Der geringe Altersunterschied und ein geschützter Rahmen helfen dabei, einen offenen und positiven Dialog zu schaffen. Eine sichere Atmosphäre soll den Lernenden dabei helfen, die Fragen zu stellen, die ihnen auf dem Herzen liegen.

Die Schulbesuche

Interessierte Schulen oder Lehrpersonen können Lokalgruppen von MSV in ihrer Nähe anschreiben und sie zu einem Schulbesuch einladen. Die Studierenden besuchen die Klassen in kleinen Gruppen. Mit einem individuell angepassten Programm beschäftigen sie sich einen Vormittag lang mit den Schüler*innen. Um das Konzept der Peer-Education zu wahren, ist die Lehrperson nicht mit im Klassenzimmer, aber jederzeit ansprechbar. Methodisch werden Alltagsprobleme verdeutlicht und die Jugendlichen zur Selbstreflexion angeregt. Die Studierenden können ihr umfassendes Wissen direkt altersgerecht für die jeweilige Klassenstufe weitergeben und stehen vor und nach dem Schulbesuch in enger Absprache mit der Lehrkraft.

Qualitätssicherung

Ein national verbindliches Ausbildungskonzept und regelmäßige Weiterbildung sind die Grundlagen, um eine durchweg gute Qualität der Schulbesuche zu sichern. Ein Basisworkshop und zwei Schulbesuche unter Supervision sind nötig, um eigene Schulbesuche machen zu dürfen. Um das gelernte Wissen wiederaufzufrischen und Neues zu lernen, gibt es lokale und mehrtägige Workshops. Diese werden von sexualpädagogischem und medizinischem Fachpersonal angeleitet. Außerdem steht das Projekt in engem Kontakt und Austausch mit ähnlichen nationalen und internationalen Projekten. Gemeinsame Fortbildungen mit Projekten anderer deutschsprachiger Länder spielen hier eine große Rolle.

Kontakt

Elisa B. hat sich vor einem Monat sofort dazu entschieden mitzumachen: „Bei „mit Sicherheit verliebt“ mitzuwirken bedeutet für mich, den Jugendlichen bei schwierigen Themen zur Seite zu stehen. Ich will ihnen das weitergeben, was mir damals bei meinem Sexualkundeunterricht gefehlt hat. Ich freue mich sehr, wenn ich bald selbst vor einer Klasse stehen kann.“

Wer selbst in der Lokalgruppe Ludwigsburg tätig werden möchte, kann sich auf der Website des MSV erkundigen.