Rund ums Studium

Zwischen Stipendium und Heimweh - Solidarität auf dem PH-Campus

„Anfang April habe ich ein Angebot vom Lehrstuhl bekommen und eine Woche später war ich schon da“ - eine ukrainische Studentin berichtet.

Zu sehen sind ein Rucksack und eine Reisetasche am Straßenrand

Lisa ist 18 Jahre alt und damit die jüngste der ukrainischen Studierenden an der PH Ludwigsburg. Sie studiert an der ukrainischen Yuriy Fedkovych Chernivtsi National University (CHNU), der Partneruniversität der PH. Für ein Semester ist sie als Austauschstudentin in Ludwigsburg zu Gast - geplant war dieser Auslandsaufenthalt jedoch nicht.

Durch den russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wurden tausende ukrainische Studierende und Wissenschaftler*innen zur Flucht getrieben. Die deutsche Bevölkerung zeigt sich solidarisch mit den Flüchtenden des Ukraine-Konflikts. Auch das Rektorat der PH Ludwigsburg positioniert sich deutlich gegen jede Form kriegerischer Gewalt und pausiert die Verbindung zur russischen Partneruniversität in Samara. Damit schließt sich die PH u.a. den Maßnahmen der Bundesregierung und der EU zur Sanktionierung und Isolierung Russlands sowie den Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) an.

Zur Unterstützung der ukrainischen Partner stellt die PH, in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Freunde der Pädagogischen Hochschule e.V., mehrere Stipendien für Studierende der CHNU zur Verfügung. Ganz unbürokratisch werden die Ukrainer*innen als Austauschstudierende für das Sommersemester aufgenommen. So auch Lisa. „Anfang April habe ich ein Angebot vom Lehrstuhl bekommen und eine Woche später war ich schon da“, erinnert sie sich. Aber ganz so einfach, wie es sich hier anhört, war die Anreise dann doch nicht. Eigentlich sollte Lisa gemeinsam mit zwei weiteren CHNU-Studentinnen nach Deutschland kommen. Durch die hohe Nachfrage an Flügen aus der Ukraine heraus, habe sie eines der letzten Tickets ergattert - ihre Kommilitoninnen konnten erst später ausreisen. „Das heißt, ich musste allein in einem fremden Land zurechtkommen. Dabei war ich zuvor niemals im Ausland!“, beschreibt Lisa den stressvollen Tag ihrer Ausreise - den Beginn eines noch anstrengenderen Alltags.

Besonders die Sprachbarriere, das Gehörte ständig ins Ukrainische zu übersetzen, beansprucht sie stark. Gerade in Gruppenarbeiten mit deutschen Studierenden, wenn schnell und in verschachtelten Sätzen gesprochen wird, ist die Sprachbarriere ein Hindernis. Aber kein Hindernis, das nicht überwunden werden kann. „In Deutschland versuche ich, genauso wie in der Ukraine, die Beste zu sein“, ist ein starkes Statement der jungen Studentin. Sie bemüht sich sehr, aber gerade aufgrund der fremden Sprache, schätzt sie es als unmöglich ein, dieses Ziel hier erreichen zu können.

Neben dem anstrengenden Alltag an der PH zehrt besonders auch das Heimweh an ihren Kräften. Sie vermisse ihre Familie und Freunde so sehr, erzählt sie. „Ich zähle schon die Tage, wenn ich sie endlich wiedersehe!“. Aus diesem Grund möchte Lisa nach diesem Semester so bald wie möglich wieder in die Ukraine zurückreisen und dort ihr Studium beenden. Für die Zukunft kann sie sich aber gut vorstellen ihr Masterstudium in Deutschland anzutreten.

Dass Lisa und ihre ukrainischen Kommilitoninnen ein Stipendium für das Sommersemester 2022 erhalten konnten, ist keine Selbstverständlichkeit. Zwar forderte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bereits Anfang März ein staatlich finanziertes Hilfsprogramm, um es deutschen Hochschulen zu ermöglichen, ukrainische Studierende aufzunehmen - jedoch blieben konkrete Unterstützungen der Bundesregierung bis dato aus. Aus diesem Grund sind die PHL sowie andere Hochschulen und Universitäten auf Spenden angewiesen. Weitere Informationen gibt es unter www.ph-ludwigsburg.de/aktuelles/detail/ph-und-vereinigung-der-freunde-unterstuetzen-ukrainische-studierende