Lifestyle

Insekten als „Fleisch der Zukunft“?

Wie Insekten auf dem deutschen Lebensmittelmarkt Einzug halten und ob sie herkömmliches Fleisch ersetzen können

Kostet ganz schön viel Überwindung: Geröstete Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken bereit zum Verzehr

Eine ungewöhnliche Nachspeise: Mehlwürmer in Schokolade mit Erdbeeren

„Von den geflügelten Insekten, die auf dem Boden krabbeln, dürft ihr lediglich diejenigen essen, die mit ihren Hinterbeinen springen. (…) Alle Arten von Heuschrecken, Grillen, Wanderheuschrecken und Grashüpfern dürft ihr essen.“ (3. Mose, 11)
Schon in der Bibel steht geschrieben, dass Insekten für den Verzehr von Menschen geeignet sind. Insekten gelten aktuell als vielversprechende Innovation im Lebensmittelsektor und halten in immer mehr deutschen Supermärkten Einzug. Im Sortiment vegetarischer Produkte stehen nun auch Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken. Es gibt sie frittiert, pikant oder süß gewürzt als Snack für Zwischendurch oder auch als Insektenburger auf Buffalowurm-Basis. 

Insektengerichte weltweit
Auch wenn es bis jetzt nur in wenigen Supermärkten Insektenprodukte gibt und diese dort erst seit wenigen Jahren angeboten werden, ist der Verzehr von Insekten keineswegs eine Neuheit. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft stellen Insekten bereits eine Nahrungsquelle für zwei Milliarden Menschen dar. In westlich geprägten Kulturen, zum Beispiel in Europa, gilt der Verzehr von Insekten noch oft als Tabu. Viele Menschen ekeln sich vor den kleinen Gliederfüßern. In Südamerika, Afrika, Australien und in Teilen Asiens ist das anders: Während beispielsweise in Thailand Schaben und Larven regelmäßig zum Verzehr angeboten werden, werden in Mexiko gekochte Ameisenlarven mit Öl und Knoblauch auf Tortillas serviert, die sogenannten „Escamoles“. Außerdem sind Heuschrecken im Schokomantel in Südamerika eine beliebte Nachspeise, während Aborigines Honigtopfameisen als Süßigkeit essen. Auch in Europa gibt es ein paar wenige traditionelle Gerichte mit Insekten. Auf der italienischen Insel Sardinien wird ein Käse mit Maden hergestellt, der „Casu Marzu“. Da die Maden mitgegessen werden, kostet es Tourist*innen dort einiges an Überwindung, ihn zu probieren. In Deutschland und Frankreich wurde noch bis Mitte des 20.Jahrhunderts die „Maikäfersuppe“ serviert. Aber was macht Insekten denn nun als „Superfood“ der Zukunft so interessant? Können sie das Welternährungsproblem lösen und den Klimawandel eindämmen? 


Nachhaltig und gesund
Die Produktion von Insekten ist in der Tat sehr nachhaltig, da sie wenig Wasser und Futter benötigen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft liegt der essbare Anteil von Insekten im Durschnitt bei 80%, während der eines Rindes lediglich bei 40% liegt. Insekten sind zudem auch für Vegetarier*innen geeignet, die aus ethischen Gründen auf Fleisch verzichten: Insekten haben nämlich nachweislich kein Schmerz- und Leidempfinden. Allerdings benötigt man für die Zucht hohe Temperaturen, was wiederum viel Energie verbraucht. Insekten können auch ein fester Bestandteil einer gesunden Ernährung sein: Sie enthalten viele Proteine und sind exzellente Quellen von Omega-3-Fettsäuren, B-Vitaminen und Mineralstoffen. Mehlwürmer gelten beispielsweise als besonders große Proteinquelle. Bei gefriergetrockneten Mehlwürmern erhöht sich der Proteinanteil von 18,7% auf 50,9%. Für Sportler*innen gibt es schon Proteinriegel und -pulver auf Mehlwurmbasis. 
Risiken und Nebenwirkungen: Die Herkunft ist entscheidend
Jedoch birgt der Verzehr von Insekten auch ein paar Risiken: Da Erkenntnisse und Regelungen bei der Insektenzucht teilweise noch fehlen, ist die Übertragung von Zoonosen nicht ausgeschlossen und der Einsatz von Arzneimitteln wie Antibiotika, Hormonen oder Chemikalien bisher nicht untersagt. Deshalb gilt: Nur Insekten, die für den menschlichen Verzehr gezüchtet worden sind, können bedenkenlos gegessen werden. Sie sollten aus kontrollierter Aufzucht stammen, zum Beispiel von Insektenfarmen in den Niederlanden, in Belgien oder in Frankreich. Vom Verzehr von Insekten, die in Zoohandlungen als Tierfutter angeboten werden, wird abgeraten. Einige Onlineshops verkaufen Insekten aus Asien, unter anderem schwarze Skorpione, Taranteln und riesige Wasserwanzen. Auch hier ist Vorsicht geboten. Insekten können in seltenen Fällen auch Allergien auslösen. Menschen, die gegen Krebstiere allergisch sind, sollten von den Gliederfüßern lieber die Finger lassen.


Der Geschmackstest 
Zu guter Letzt stellt sich noch eine wichtige Frage: Wie schmecken Insekten denn nun? Ein eigenes Experiment mit Mehlwürmern, Grillen und Heuschrecken, die in Frankreich für den Verzehr gezüchtet worden sind, lieferte folgende Ergebnisse: Wie bereits erwartet, wollten die meisten befragten Personen nicht kosten, lediglich zwei von etwa 15 Personen erklärten sich dazu bereit. Das Urteil fiel wie folgt aus: Karamellisierte Mehlwürmer haben eine knusprige Konsistenz und schmecken leicht nussig. Diese könnten am ehesten einen Snack für Zwischendurch darstellen. Die Heuschrecken zu probieren, kostete am meisten Überwindung. Sie sind sehr hart, der Geschmack ist eher bitter und man schmeckt hauptsächlich die Röstaromen heraus. Leider bleibt auch nicht mehr viel von der Heuschrecke übrig, nachdem vor dem Verzehr der Kopf und die Flügel entfernt werden müssen. Grillen hingegen haben eine knusprige, klebrige Konsistenz. Geschmacklich hatten auch sie ein kräftiges Röstaroma und waren bitter im Nachgeschmack. Alle drei Arten können zum Beispiel mit Schokolade überzogen werden. Danach fällt es deutlich leichter, sie zu essen.
Das Fazit lautet wie folgt: Die Befragten können sich nicht vorstellen, dass Insekten Fleisch komplett ersetzen, aber dass sie bei richtiger Zubereitung eine Ergänzung darstellen könnten.