Digitale Welt

Mit Pyjama im Unterricht - Erfahrungen mit der Online-Lehre

Auf der einen Seite Ausschlafen und entspannte Breakout-Room-Sessions, auf der anderen Seite fehlende Betreuung und Überforderung – das Lernen in der Corona Pandemie hat unterschiedliche Facetten.

Obwohl in der Pandemie hauptsächlich Negatives im Vordergrund steht, hat sie auch positive Veränderungen hervorgebracht – vor allem in der Schule.  

Wie verschieden die Erfahrungen der Schüler:innen in der Zeit des Online-Lernens sind, wird im Folgenden durch ein Interview mit den Schülern David (15) und Leon (13) deutlich. Sie besuchen die neunte und achte Klasse einer Realschule.

 

Wie wart ihr anfangs auf den Online-Unterricht eingestellt?

David: Positiv, weil ich mich auf Veränderung und Abwechslung im Schulalltag gefreut hatte.

Leon: Gut, weil der Schulweg nicht mehr da war und ich etwas länger schlafen konnte. Außerdem war ich nach der Schule direkt zu Hause und konnte auch die Pausen zum Abschalten benutzen.

 

Welche digitalen Lernmethoden haben eure Lehrkräfte verwendet und welche waren eurer Meinung nach am effektivsten?

David: Wir haben fast ausschließlich mit Moodle gearbeitet. Außerdem haben wir Videokonferenzen gehabt und Aufgaben bekommen. Davor haben wir die Aufgaben an die E-Mail-Adresse unserer Eltern geschickt bekommen - das hat aber nicht so gut geklappt.

Leon: Wir hatten ganz normale Meetings mit manchen Lehrpersonen, welche uns Power-Point-Präsentationen vorgestellt und mit uns normalen Unterricht gemacht haben. In Breakout-Rooms wurden wir auch immer mal wieder eingeteilt. In Physik haben wir Aufgaben und Videos auf einer externen Plattform eingestellt bekommen und haben uns das dann selbst erarbeitet. Es gab aber auch Fächer wie Kunst, in denen wir nur Aufgaben für Zuhause bekommen haben ohne uns je online zu treffen. Dazu haben wir dann über E-Mails Rückmeldungen bekommen. Außerdem gab es manchmal Hausaufgaben nach dem Unterricht.

Für mich waren die Aufgaben und Videos auf der externen Plattform am hilfreichsten, weil die Videos gut aufbereitet waren und erneut angeschaut werden konnten, wenn man etwas nicht verstanden hat.

 

Wurden Klassenkamerad:innen durch fehlenden Zugang zu digitalen Medien benachteiligt?

David: Nein, obwohl manche Klassenkameraden keinen PC oder Laptop zuhause hatten. Diesen wurde dann von der Schule Laptops zur Verfügung gestellt.

Leon: Nein. Ein paar Schüler mussten erstmal mit dem Handy an beispielsweise Meetings teilnehmen, was dann irgendwann nicht mehr ging. Dann haben sie allerdings direkt eine Woche später Computer von der Schule gestellt bekommen.

 

Habt ihr das Gefühl, dass ihr euch während der Online-Lehre mehr selbst erarbeiten musstet?

David: Ja, ich musste mir fast alles selbst erarbeiten. Wir haben es nur kurz erklärt bekommen und mussten dann selbstständig lernen. In den Videokonferenzen war es schwierig zu lernen, weil oft das Internet nicht funktioniert hat und kaum jemand seine Kamera anhatte. Mitgearbeitet hat leider auch kaum jemand.

Leon: Nein, die Lehrer haben alles gut aufbereitet und ich hatte so wie immer Hausaufgaben, die ich bearbeiten musste.

 

Wie hat sich die Pandemie auf euer Sozialleben ausgewirkt?

David: Positiv, weil ich mehr Zeit für mich selbst hatte. Ich habe mir in dieser Zeit eine Morgenroutine vor dem Unterricht angewöhnt. Meine beiden besten Freunde wohnen bei mir direkt nebenan, deswegen war ich nicht ganz so isoliert wie manch andere.

Leon: Da die Kameras eingeschaltet sein mussten, habe ich alle meine Freunde gesehen und es hat sich fast wie normaler Unterricht nur ohne so viele Störungen angefühlt. Auch in den Breakout-Rooms durften wir teilweise über unser Wochenende reden und konnten uns dadurch dann austauschen. Meine zwei besten Freunde wohnen in der Nähe und deswegen habe ich diese auch ganz normal gesehen.

 

Was war für euch positiv an der Online-Lehre?

David: Ich habe mir den Schulweg von 45 Minuten erspart, und konnte deswegen länger schlafen. Zuhause war eine entspanntere Atmosphäre, wo ich nicht unter ständiger Beobachtung der Lehrer stand. Wenn wir nur Aufgaben hatten, konnte ich mir selber einteilen, wann ich diese mache.

Leon: Wir hatten Spaß in den Break-out-Rooms und man konnte sich viel besser konzentrieren, weil man nicht abgelenkt wurde. Außerdem konnte man bei Präsentationen schneller Informationen herausfinden, weil man direkt am Laptop saß.

 

Was wisst ihr am Präsenzunterricht nun wieder zu schätzen?

David: Ich freue mich wieder meine Klasse zu sehen, mir fällt das Lernen so viel einfacher.

Leon: Ich weiß die Gemeinschaft in der Klasse wieder viel mehr zu schätzen. Außerdem habe ich Sport sehr vermisst, weil das als Fach im Online-Unterricht komplett weggefallen ist.

 

Was war für euch negativ an der Online-Lehre?

David: Ich habe viel weniger gelernt im Vergleich zum Präsenzunterricht. Auch sich selbst zu motivieren viel mir teilweise schwer.

Leon: Ich fand es ein bisschen komisch, dass manche Leistungsanforderungen so anders waren. In Sport mussten wir nur kurz am Anfang ins Meeting und unseren Namen sagen und in Englisch hatten wir immer richtig viele Hausaufgaben.

 

Was hätten die Lehrkräfte besser machen können?

David: Weniger Aufgaben zum selbst erarbeiten, dafür lieber effektivere. Ich hätte mir gewünscht, dass alle meine Klassenkameraden die Kamera angeschaltet hätten bei den Video-Calls, das hätte schon einiges gebracht.

Leon: Da fällt mir nicht so viel ein, weil das Meiste schon relativ gut umgesetzt wurde. Trotzdem hätte der Sportlehrer uns zum Beispiel ein paar Übungen für zu Hause aufgeben können.

 

Vielen Dank an David und Leon!

Durch das Interview wird deutlich: nicht alle Kinder und Jugendliche haben die Online-Lehre gleich durchlebt. Jede:r Schüler:in hat individuelle Probleme, aber auch positive Erfahrungen mit der Online-Lehre gehabt. Demnach wird die Umstellung auf den Präsenzunterricht für viele Lehrer:innen eine Herausforderung, da sich diese nun mit noch stärkeren Leistungsunterschieden auseinandersetzen müssen.

Um Lehrkräfte und Schulen zu unterstützen, wurde das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ auf die Beine gestellt. Mit Hilfe von Lehramtsstudent:innen und pädagogischen Assistent:innen sollen pandemiebedingte Lernrückstände aufgeholt werden. Wenn Sie bereit sind an diesem Programm teilzunehmen und einen wertvollen Beitrag zu leisten, melden Sie sich jetzt auf der Seite des Kultusministeriums für „Lernen mit Rückenwind“ an.