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Corona und die Auswirkungen an der PH

Für die Gesellschaft war und ist das Thema Corona eine echte Zerreißprobe. Viele verschiedene Meinungen kursieren rund um dieses Thema und stellen uns als Gesellschaft auf die Probe. Auch die PH Ludwigsburg, an der sich während den letzten zwei Jahren verschiedene Vorfälle ereigneten, hatte mit den Auswirkungen zu kämpfen.

 

von Gianluca Giadone

 

Die Pädagogische Hochschule in Ludwigsburg ist eine Institution, welche dafür verantwortlich ist, unter anderem Lehrer und Lehrerinnen der Zukunft auszubilden. In verschiedenen Studiengängen können sich Studierende in verschiedenen Studiengängen auf Berufe, die alle einen Bildungsbezug haben. Dabei werden die neusten pädagogischen Ansätze genutzt. Inklusion wird großgeschrieben und Menschen jeglicher Nation, Geschlecht und Aussehen sind hier Willkommen.

Die PH ist bekannt als ein Ort der Akzeptanz, Toleranz und Offenheit gegenüber jedem/jeder. Allerdings sorgte die Corona-Pandemie und verschiedene Vorfälle dafür, dass diese Werte auf die Probe gestellt wurden.

Während der Corona-Pandemie in den Jahren 2020/2021 herrschte an der PH eingeschränkter Lehrbetrieb sowie dieselben Corona-Regelungen wie im ganzen Land Baden-Württemberg. Das bedeutete, dass Studierende, die geimpft oder genesen waren, am Lehrbetrieb teilnehmen durften, während ungeimpfte bzw. nicht-genesene Studierende nur teilnehmen konnten, wenn sie einen Schnelltest machten. Im Zuge dessen reagierte eine Gruppe von 150 Studierenden und wandte sich an die Presse, da sie laut eigener Aussage kein Gehör an der PH Ludwigsburg fanden. Dort beschwerten sich die Studierenden über die mangelnden Alternativen von Testangeboten, dass z. B. ein Test nicht zu Hause gemacht werden durfte, dass die Tests nicht 48 Stunden lang zählten oder warum die Tests nicht gratis waren, wie es an manchen anderen Hochschulen der Fall war. Hierbei wurde aber nicht erwähnt, dass die Testangebote an offiziellen Stellen außerhalb der PH viel teurer waren. Auch konnten andere Hochschulen nur so lange Gratistests durchführen, bis der Restbestand der Tests aufgebraucht wurde, die das Land Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt hatte. Des Weiteren bemängelte die Gruppe von Studierenden, dass sie Diskriminierungen und öffentliche Bloßstellung in Seminargruppen erfahren hätten. Daraufhin entstand eine Diskussion in der Facebook-Gruppe „Die Gemeinschaft“. Einige Studierende wollten mit einer Petition die PH in Schutz nehmen und zeigen, dass nicht alle Studierenden repräsentativ für diesen Brief stehen. Unterhalb dieses Beitrages wurde in knapp 100 Kommentaren über diese Petition diskutiert. Die Meinungen hierzu gingen weit auseinander und führten zu einigen Unstimmigkeiten unter den Studierenden.  

Dazu kamen noch zwei weitere Vorfälle, in der Woche vom 8. bis 12. November 2021: Eine Studierendenvertreterin gab an, von mehreren Personen bedroht worden zu sein, weil sie sich für das Testen ausgesprochen hätte. Außerdem wurden von Unbekannten auf dem Gelände der PH mehrere Plakate aufgehängt, welche während des Nationalsozialismus genutzt wurden, um Personen jüdischer Herkunft zu diskriminieren. Bei den Plakaten wurde der Wortlaut von „Der Jude“ zu „Der Ungeimpfte“ geändert. Diese Art von Protest ist nicht nur geschmacklos, sondern ist auch eine klare Straftat, die sogar dazu führen kann, dass sich der Verfassungsschutz einschaltet. Beide Vorfälle wurden von der Hochschule zur Anzeige gebracht. Allerdings konnte nicht herausgefunden werden, wer für die Plakate verantwortlich war.

Eine Demokratie steht für viele verschiedene Grundrechte ein. Eines dieser Grundrechte ist die freie Meinungsäußerung der Bürger und Bürgerinnen. Es ist wichtig, dass sich die Menschen frei zu Themen äußern dürfen, denn dies dient dem Grundgedanken der Demokratie. Allerdings können manche Meinungen und Äußerungen gegen das Grundgesetz verstoßen, weshalb diese geahndet oder sogar verboten werden. Gerade in einer Phase, in der viele Menschen nicht wissen, was die Zukunft bringen wird - ob sie durch die Pandemie ihren Job verlieren, wie sie im Falle eines schweren Krankheitsverlaufs handeln sollen oder was generell mit der Gesellschaft passiert, können sich Verschwörungsmythen entwickeln. Auch die Studierenden blickten in eine ungewisse Zukunft, gerade jene, die sich nicht impfen lassen wollten bzw. wollen. Doch bei antisemitischen Verschwörungsmythen bzw. propagandistischen Plakaten aus dem Dritten Reich hört die Meinungsfreiheit auf. Denn die Aufgabe von Pädagogen und Pädagoginnen ist unter anderem die politische Bildung von Schülern und Schülerinnen im „Kontext einer Erziehung zur Loyalität zu den Werten des Grundgesetzes“. Das Leugnen des Holocausts, Antisemitismus oder die Selbst-Viktimisierung durch eine „von der Regierung inszenierten Impfdiktatur“ verhöhnt die Millionen Opfer des Nationalsozialismus, die lediglich aufgrund ihrer Herkunft bzw. ihrer „Rasse“ einen Tod erleiden mussten, der an Grausamkeit kaum zu überbieten ist. Studierende, die eine Pädagogische Hochschule besuchen, sollten ausreichend historische und politische Bildung genossen haben, um sich darüber im Klaren zu sein. Dass es unterschiedliche Meinungen zum Thema „impfen“ gibt, ist selbstverständlich. Hierbei muss allerdings ein Diskurs zwischen den Studierenden erfolgen, der sich nicht auf Propagandaplakate aus dem Dritten Reich bezieht.

Egal, ob geimpft oder ungeimpft, an dem Punkt, an dem eine Gruppe von Personen aus der Gesellschaft ausgeschlossen bzw. diskriminiert wird, kann eine Subkultur entstehen, welche möglicherweise dadurch radikal und gewaltbereit wird. Eine Impfung mindert weder den Wert eines Menschen, noch macht diese einen besseren Menschen aus ihm. Wenn sich Personen dazu entscheiden, sich nicht impfen zu lassen, sollte dies von allen Studierenden und Lehrenden akzeptiert werden, auch wenn es vielleicht nicht der eigenen Meinung entspricht. Wenn sich manche Studierende aus Angst vor gesundheitlichen Folgen nicht impfen lassen möchten, ist es wichtig, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, von den eigenen Erfahrungen zu berichten und sie dadurch vielleicht vom Gegenteil zu überzeugen. Eine Gesellschaft lebt von Diskussionen, denn genau das macht Demokratie aus. Insbesondere Pädagogen und Pädagoginnen, welche immer wieder Themen und Konzepte kritisch hinterfragen und über Dinge diskutieren sollten, haben die Verantwortung, dieses Recht auf Meinungsfreiheit zu schützen. Trotz allem darf man die Personen für ihr Verhalten auch kritisieren und es nicht in Ordnung finden, welche Entscheidung sie treffen oder getroffen haben.

Letztendlich lässt sich aber Folgendes sagen: Studierende, die eine Hochschule oder Universität besuchen, sollten imstande sein, wissenschaftlich fundiert zu forschen und zu arbeiten. Auch ein gewisses Grundverständnis von Politik und historischem Wissen sollte vorhanden sein. Ob man nun die Impfung befürwortet oder nicht, niemand hat das Recht, sich an nationalistischer Propaganda zu bedienen und sich mit jüdischen Personen zu vergleichen, die während des Dritten Reichs systematisch verfolgt und ermordet wurden.