Studium

Eine Bedienungsanleitung für den Verstand

In einer Welt voller Fehlinformationen und Halbwahrheiten fällt es zunehmend schwerer, zwischen wahren und falschen Aussagen unterscheiden zu können. Wem soll bei der Flut an täglichen Informationen überhaupt noch geglaubt werden? Die Antwort ist so simpel wie kompliziert: unserem Verstand.

Eine Rezension von Tina Haldenwanger

In dem Seminar „Bildungsforschung und Fachdidaktik: Kritisches Denken“ bei Herrn Dr. Brosow durften die Studierenden das Buch „Bedienungsanleitung für deinen Verstand. Lerne kritisch zu denken in einer Welt voller Halbwissen“ von Steven Novella kennenlernen. Das Sachbuch erschien 2019 im rivaVerlag in München. Auf knapp 500 Seiten vermittelt der Autor unter anderem Wissen über die Funktionsweisen und Fehlschlüsse unserer Gehirns und beleuchtet aktuelle Themen wie zum Beispiel die immer stärker aufkommenden Pseudowissenschaften, die im Gegensatz zur empirisch nachweisbaren Wissenschaft stehen.

Was sich im ersten Moment anstrengend und wenig unterhaltend anhört, wird von Novella mit so viel Humor und anschaulichen Beispielen erklärt, dass es plötzlich leicht fällt Neues über beispielsweise den Bestätigungsfehler zu lernen. Laut Novella handelt es sich bei dem Bestätigungsfehler um die Tendenz, denen Informationen, die unseren Überzeugungen entsprechen, Aufmerksamkeit und Glauben zu schenken und Informationen, die im Widerspruch zu unseren Vorstellungen stehen, zu verzerren oder zu ignorieren. Ein Beispiel hierfür ist die Wahrsagerei. Ein*e Wahrsager*in wird in einer Zukunftsprognose viele mögliche Behauptungen aufstellen, während der überzeugte Kunde oder die überzeugte Kundin sich nur diejenigen Prognosen merken wird, die später auch tatsächlich eingetroffen sind und Vorhersagungen unter den Tisch fallen lassen, die nicht eingetroffen sind. Andersrum funktioniert das natürlich auch: Wer selbst ein Kritiker von Wahrsagerei ist und trotzdem eine Zukunftsprognose erhält, wird sich eher an die Prognosen erinnern, die nicht eingetroffen sind, da diese den eigenen Überzeugung entsprechen.

Der Autor versucht jedoch nicht nur Faktenwissen zu vermitteln, sondern möchte den Leser*innen Strategien vermitteln, damit diese selbst das skeptische Hinterfragen erlernen. Gerade in der heutigen Zeit, in der vor allem viele Falschmeldungen über beispielsweise Covid-19 oder Fehlinformationen über die Schutzimpfungen verbreitet werden, ist es so wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen von pseudowissenschaftlichen reißerischen Meldungen zu unterscheiden, wie sie oft in WhatsApp und Telegram verbreitet werden.

Eines jedoch darf nicht vergessen werden und dies wird auch immer wieder vom Autor betont: Wir werden laut Novella nie das Ziel erreichen, uns gänzlich von Voreingenommenheit und Irrtümern zu befreien. Das Einzige was wir tun können ist, uns nach Kräften zu bemühen, sie auf ein Minimum zu beschränken. Das bedeutet schließlich auch, immer offen für neue Erkenntnisse zu sein, auch wenn diese zunächst der eigenen Meinung widersprechen.