Studium

„Es verlief zwar komplett anders, als ich es mir vorgestellt hatte, aber es war trotzdem eine unvergessliche Zeit.“

Wie ein Auslandssemester trotz Corona bereichern kann

2020. Corona. Das Virus hält die Welt in Schach. Für die meisten bedeutet das: zu Hause bleiben. Nicht aber für Simon. Der 24- jährige PH-Student absolvierte trotz Corona ein Auslandssemester in Barcelona. Ob und inwiefern das Virus sein Auslandssemester beeinflusst hat, erzählt er in diesem Interview mit ImPHuLs.

ImPHuLs: Stelle Dich zum Anfang des Interviews bitte kurz vor.
Simon: Ich heiße Simon, bin 24 Jahre alt und studiere Europalehramt mit der Fächerkombination Englisch und Geographie.

ImPHuLs: Wo hast du das Auslandssemester verbracht und wann?
Simon: Mein Auslandssemester habe ich in Barcelona, Spanien, verbracht. Dort war ich von Ende September 2020 bis Anfang Februar 2021.

ImPHuLs: Warum hast du ein Auslandssemester gemacht? Was war deine Motivation?
Simon: Ich wollte schon immer einmal die Erfahrung machen, in einer großen Stadt im Ausland zu leben und zu studieren. Ich kannte Barcelona schon vor meinem Auslandssemester, aber wollte die interessante Stadt noch besser kennenlernen und meine Spanischkenntnisse wieder etwas auffrischen. Zudem finde ich es sehr spannend, andere Kreise und neue Leute kennenzulernen. Abgesehen davon ist es in meinem Studiengang Europalehramt verpflichtend ein Auslandssemester vor dem Bachelor zu machen.

„Es war anders als ein “normales” Auslandssemester“

ImPHuLs: Hatte Corona einen Einfluss auf deine Entscheidung? Hast du überlegt, das Auslandssemester nicht anzutreten?
Simon: Ja, ich habe es mir tatsächlich überlegt, das Auslandssemester nicht anzutreten, da ich die Befürchtung hatte, dass womöglich alles online stattfinden wird und ich womöglich in einem kompletten Lockdown in meinem Zimmer eingesperrt bin. Andererseits hatte ich aber auch keine andere Wahl außer das Auslandssemester anzutreten, da es dies bereits mein 5. Semester war und dies bis zum Bachelor erledigt sein muss. Ich hatte mich mehr oder weniger damit abgefunden, von Deutschland online nach Barcelona studieren zu müssen, bis ich gute zwei Wochen davor die Nachricht bekommen habe, dass auch Unterricht in Präsenz stattfinden wird und ich vor Ort sein muss.

ImPHuLs: Wie war das Auslandssemester dann während Corona?
Simon: Es war anders als ein “normales” Auslandssemester. Durch viele Einschränkungen war das Sozialleben recht beschränkt. Mein Unterricht fand bis auf einen einzigen Tag online statt, aber trotzdem habe ich das Beste aus meiner Zeit dort gemacht. Dadurch, dass ich schon vor Antritt Freunde in Barcelona hatte, konnte ich die Zeit dort sehr genießen und hatte mehr Möglichkeiten und Anschluss, als ohne sie.

ImPHuLs: Inwiefern war es ein „anderes Auslandssemester“? Was waren Hürden/Schwierigkeiten, die durch Corona entstanden sind?
Simon: Ich glaube, der größte Unterschied war, dass mein komplettes Campusleben ausgefallen ist. Ich war während des gesamten Auslandssemesters nur einmal an der Gasthochschule. So war es sehr schwer in Kontakt mit anderen Studenten zu kommen. Anfangs des Semesters wurde uns gesagt, dass ein Drittel der Veranstaltungen in Präsenz stattfinden wird, aber im Endeffekt war dann doch alles online.
Zudem sind fast alle geplanten Ausflüge von Erasmus mit anderen Iinternationalen Studenten auf Grund aufgrund von Corona ausgefallen.  Normalerweise kann man dabei eine Menge Spaß haben und Leute kennenlernen, aber das war leider nicht möglich.
Ab Mitte Oktober waren in Barcelona auch alle Bars und Restaurants geschlossen, so kam es weder zu Erasmus -Veranstaltungen dort, noch hatte ich sonst eine Möglichkeit auszugehen und Leute kennenzulernen. Ich war sehr froh, dass ich schon vor Antritt meines Auslandssemesters Freunde in Barcelona hatte und eine sehr herzliche WG bewohnte.

ImPHuLs: Gab es Momente, in denen Du du gedacht hast, du hättest das Auslandssemester lieber nicht während Corona machen sollen?
Simon: Ja, die Zeit direkt am Anfang war etwas schwierig. Ich hatte noch nicht so richtig Anschluss gefunden und verbrachte den ein oder anderen Abend alleine. Da habe ich mich etwas komisch gefühlt, da auch der Kontaktaufbau zu den anderen Erasmus -Studenten sehr schwer war. Diese Phase hatte ich aber nur ganz am Anfang. Zu jeder anderen Zeit war ich froh in Barcelona und nicht in Deutschland zu sein, da ich dort doch die ein oder andere Freiheit mehr hatte!

„Zum Glück gibt es sehr schöne Parkanlagen in Barcelona!“

ImPHuLs: Wie präsent war Corona in Barcelona? Welche Einschränkungen gab es?
Simon: Corona war auf jeden Fall präsent in Barcelona. Überall, außer am Strand, galt Maskenpflicht. Es gab eine Ausgangssperre ab 10 Uhr abends und Bars und Restaurants waren geschlossen. Sportliche Einrichtungen auch. Als die Maßnahmen weiter verschärft wurden, durfte man die Stadt auch nicht mehr verlassen. Zum Glück gibt es sehr schöne Parkanlagen in Barcelona!  

„[…] am aufregendsten war glaube ich doch eine Geburtstagsparty im kleinen Kreis mit viel Tanz und guter Stimmung. Das habe ich bis dahin sehr lange nicht mehr erlebt […]“

ImPHuLs: Was war der schönste Moment des Auslandssemesters?
Simon: Ich habe vor allem die gemeinsamen Momente mit meinen Mitbewohnern und Freunden sehr genossen. Gemeinsame Kochabende und schöne Ausflüge zählten da schon zu den Highlights. Aber am Aufregendsten war glaube ich doch eine Geburtstagsparty im kleinen Kreis mit viel Tanz und guter Stimmung. Das habe ich bis dahin sehr lange nicht mehr erlebt, da es durch Corona eigentlich auch nicht möglich war.

ImPHuLs: Hast du das Auslandssemester während der Corona-Pandemie bereut?
Simon: Das habe ich auf keinen Fall! Ich bin super glücklich in Barcelona gewesen zu sein. Es verlief zwar komplett anders, als ich es mir vorgestellt hatte, aber es war trotzdem eine unvergessliche Zeit. Ich habe zwar nicht viele Menschen kennengelernt, aber die, die ich kennengelernt habe, habe ich sehr in mein Herz geschlossen!

ImPHuLs: Würdest du ein Auslandssemester empfehlen? Auch während Corona?
Simon: Das kommt ganz drauf an. Ein Auslandssemester zu dieser Zeit ist nur schwer vorhersehbar, da sich vieles innerhalb kürzester Zeit ändern kann. Wenn allerdings Partys sehr wichtig sind, ist es besser etwas zu warten mit dem Auslandssemester. Grundsätzlich ist es aber nicht falsch, auch unter solchen Bedingungen ein Auslandssemester zu starten, da man auch so viele besondere Erfahrungen sammeln kann. Es bietet sich aber auf jeden Fall an, an einen Ort zu gehen, wo man bereits ein paar Leute kennt. Sonst kann es mit der Knüpfung sozialer Kontakte schwierig werden.

„Ich möchte meine Zeit in Barcelona nicht missen!“

ImPHuLs: Hast du Tipps für Studierende, die ein Auslandssemester machen wollen?
Simon: Es ist immer von Vorteil, wenn man bereits vor Antritt des Auslandssemester Personen vor Ort kennt (vor allem während Corona). So knüpft man viel schneller Kontakte und hat mehr Optionen in vieler Hinsicht. Während Corona ist es auch wichtig, sich eine Wohngegend und WG auszusuchen, wo man sich wohl fühlt. Die Nähe zur Universität spielt hierbei keine große Rolle mehr. Genießt es und macht das Beste draus. Ich möchte meine Zeit in Barcelona nicht missen!

ImPHuLs: Vielen Dank für das Interview!