Studium

Studierende in der Krise

Wie es sich anfühlt, online zu studieren.

Während der Pause in der Mensa einen Kaffee trinken, in den Freistunden Aufgaben bearbeiten wollen und dann doch im Gespräch mit KomillitonInnen verweilen. Während der Prüfungsphase in der Bibliothek sitzen oder an Festen der Hochschule teilnehmen. Alles Dinge, die sich nach drei Semestern im Online-Studium, fast schon surreal anfühlen. Ich muss zugeben, am Anfang war es irgendwie noch reizvoll. Morgens nicht deutlich früher aufstehen zu müssen, sich den Weg zur Hochschule sparen. Doch irgendwann erwische ich mich doch dabei, wie ich im Schlafanzug, mit Laptop auf dem Schoß im Bett sitzte und eigentlich gar nicht richtig bei der Sache bin. Die Motivation geht flöten. Doch auch der Rest des Lebens hat sich um 180 Grad gewendet. Es ist nicht mehr möglich, abends auszugehen, FreundInnen treffen ist auch tabu, viele Studierende können nicht mehr arbeiten. Der Ort, an dem ich seit vielen Semestern fast täglich präsent bin und neben den Seminaren Zeit mit meinen KommilitonInnen verbringe, ist ebenfalls auf unbestimmte Zeit geschlossen. Bei jeder Rundmail der Hochschule wünsche ich mir ein bisschen Normalität zurück.

SchülerInnen dürfen wieder in die Schulen, Studierende müssen weiterhin zuhause bleiben. Geimpfte, Genesene oder Getestete dürfen sich treffen, Studierende müssen weiterhin zuhause bleiben. Das Leben ist für die meisten Menschen wieder normal, Studierende sitzen immer noch täglich zuhause vor ihrem Laptop. Ich habe nicht nur meine Motivation verloren. Ich studiere auf Lehramt, werde später tägliche mit Kindern und Jugendlichen zusammen arbeiten und studiere nun schon seit drei Semestern online, abgeschottet von jeglichen sozialen Kontakten und ohne Anschlusskommunikation über das, was ich in den Corona-Semestern gelernt habe. Gruppenarbeiten erweisen sich als schwierig umsetzbar. Einen Termin zu finden, an welchem alle Gruppenteilnehmer Zeit haben, scheint fast unmöglich. Über uns wurde in der Regierung selten das Wort verloren. Studierende seien offensichtlich alle in der Lage, eineinhalb Jahre Studium selbst zu verwalten. Ich fühle mich vergessen und mittlerweile irgendwie auch verloren. Wann kehrt auch für uns wieder Normalität in den Alltag zurück? Während der Corona-Semester verschlechterten sich die Lernbedingungen für Studierende sehr. Natürlich spare ich mir Zeit ein, fahre nicht mehr täglich zur Hochschule, aber die Seminarformate beanspruchen sehr viel mehr Zeit, der Austausch wird ersetzt über zusätzliche, schriftliche Abgaben. Ich fühle mich gehetzt und kann mich nicht wirklich mit den Inhalten auseinadersetzen. Ich halte es für sinnvoll, dass uns die Möglichkeit geboten wird, die Regelstudienzeit zu verlängern. Für den Fall, dass weitere Online-Semester stattfinden werden, wäre ein einheitlicher Standard für die digitale Lehre wünschenswert, denn so wie zuvor beschrieben, kann es nicht bleiben.