Studium

Wie wird man Lehrer in der Türkei?

Gibt es in der Türkei auch Abitur? Warum muss man sich nicht an den Universitäten bewerben? Wie sieht der Inhalt des Lehramtsstudiums aus? Wie geht es dort weiter nach dem Studium?

Die Qual der Wahl – Schon im neunten Schuljahr muss entschieden werden, mit welchen Fächern sich die Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen möchten.
Es gibt vier Fachrichtungen, die ab dem zehnten Schuljahr gelten: literarische Fächer (Literatur, Geschichte, Erdkunde, etc.), mathematische Fächer (Physik, Mathe, Chemie, Geometrie, etc.), literarisch-mathematische Fächer (gemischte Fächer ohne Schwerpunkt), und Fremdsprache (in der Regel Englisch, in wenigen Schulen gibt es auch Deutsch zur Auswahl).
Wird die literarische Richtung gewählt, werden keine mathematischen Fächer unterrichtet, und umgekehrt. Alle Fachrichtungen beinhalten die allgemeinen Fächer Erdkunde, Geschichte, Sport und Religion. Der Schwerpunkt liegt jedoch hauptsächlich auf den Hauptfächern.
Durch diese Wahl wird die Berufsauswahl begrenzt. Wählt ein*e Schüler*in die Fachrichtung Fremdsprache, hat er oder sie sich entschieden entweder Lehrer*in oder Dolmetscher*in zu werden. Oder aber auch in der Tourismusbranche tätig zu werden.

Der Weg zur Lehrkraft

Nach der abgeschlossenen Oberschule, in der Regel nach dem 12. Schuljahr, ist es in der Türkei Pflicht die „YÖK-Prüfung“ zu absolvieren. Spätestens im letzten Schuljahr beginnt der Druck um die Vorbereitung für diese landesweite Hochschulzugangsprüfung, an der rund 70 Prozent der Schulabsolventen teilnehmen. Sie wird in der Türkei von der ÖSYM (Ölçme, Seçme, Yerleştirme Merkezi - Zentrale für Bewertung, Auswahl und Platzierung) durchgeführt. Die Prüfung besteht aus zwei beziehungsweise drei Teilen: der TYT (Temel Yeterlilik Testi), einer Prüfung zur Zulassung zum Studium, die das Allgemeinwissen prüft und für alle obligatorisch ist und der AYT (Alan Yeterlilik Testi), einer fachbezogenen Prüfung, die für die meisten Studienfächer verpflichtend ist. Für fremdsprachenbezogene Fächer ist stattdessen der YDT (Yabancı Dil Testi), ein spezieller Sprachtestobligatorisch.

Nach erfolgreicher Teilnahme an den Hochschulzugangsprüfungen erfolgt eine Zulassung zum vierjährigen Bachelor (lisans). Es wird eine Präferenzordnung von 22 Universitäten verlangt, die der erreichten Punktzahl entsprechen. In der Sommerzeit werden die Ergebnisse veröffentlicht, und die ersten Schritte zum Studium werden gemacht.
Wird keine ausreichende Punktzahl erreicht, können sich die Bewerber und Bewerberinnen entweder in ein zweijähriges, in der Regel technisch- beziehungsweise berufsorientiertes Ausbildungsprogramm (önlisans) an einer Berufsfachhochschule oder in einen vierjährigen Fernstudiengang einschreiben. Der Abschluss des Önlisans ist international nicht als universitärer Abschluss anerkannt.

Das Lehramtsstudium umfasst vier Jahre und beinhaltet nur einen Studiengang bzw. nur ein Fach für jede Schulart. Es gibt keine Kategorisierung bezüglich der zukünftigen Schulen, in der unterrichtet werden soll. Das heißt, wenn ein Lehramtsstudium abgeschlossen wurde, ergibt sich die Möglichkeit das studierte Fach, zum Beispiel Erdkunde, von der Grundschulstufe bis zur Oberschulstufe zu unterrichten. Die Entscheidung ergibt sich nach Bedarf in der zu unterrichtenden Schule und kann sich jedes Schuljahr ändern.
Das Referendariat ist in diesen vier Jahren enthalten und wird in den letzten zwei Semestern parallel abgeschlossen.
Nach dem Abschluss des Studiums besteht die Möglichkeit auf eine Bewerbung in privaten Schulen. Um in einer staatlichen Schule tätig zu werden, wird die landesweite KPSS-Prüfung vorausgesetzt.
Der Vorgang ähnelt dem  der „YÖK-Prüfung“ sehr.
Je nach erhaltener Punktzahl werden die Absolventinnen und Absolventen als verbeamtete Lehrkräfte landesweit in Schulen eingeteilt, und sind 4 Jahre verpflichtet, in dieser Schule zu unterrichten. Nach vier Jahren besteht die Möglichkeit, einen Stadtwechsel zu beantragen.