Studium

Frontenwechsel – Gestern noch Student, heute schon Dozent

Immer wieder entscheiden sich Studierende der Pädagogischen Hochschule eine professionelle Hochschullaufbahn einzuschlagen. Wie sich diese Entscheidung gestalten kann und was diese veränderte Rolle mit sich bringt, beantwortet uns Patrick Maisenhölder im Interview. Seit Anfang Juli ist er akademischer Mitarbeiter des Instituts für Theologie und Philosophie und wird im kommenden Wintersemester auch Lehrveranstaltungen geben.

 

Patrick Maisenhölder, M. A.

Guten Tag Herr Maisenhölder, vielen Dank dafür, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Können Sie unseren ImPHuLs-Lesern und Leserinnen erst einmal etwas zu Ihrem akademischen Werdegang sagen und wie Sie schlussendlich dazu kamen, sich für eine Hochschullaufbahn statt des zweiten Staatsexamens zu entscheiden?


Gerne, kein Problem. Ja, ich habe nach dem Zivildienst, an der PH Freiburg angefangen, für das Lehramt an Realschulen Englisch, Ethik und Politikwissenschaften zu studieren. Da es mir dort aber nicht gefiel, wechselte ich im darauffolgenden Semester an die PH Ludwigsburg, wo ich begann, dieselbe Fächerkombination zu studieren. Man muss hier vielleicht dazu sagen, dass die Wahl des Lehramtsstudiengangs und auch meine Fächer wohl hauptsächlich dem geschuldet sind, dass ich sozialisationsbedingt keine wirkliche Ahnung davon hatte, wie ein Studium so abläuft oder was man machen kann, wenn man irgendwelche Fächer, wie etwa Ingenieurwissenschaft oder so, studiert hat. Deshalb und da ich keinen Ausbildungsberuf kannte, der mich begeistert hätte, habe ich mich für das entschieden, was ich zumindest aus der Beobachterperspektive schon 13 Jahre lang kannte: Lehrer werden und damit für das Lehramtsstudium.
Während dieses Studiums merkte ich dann, dass das Unterrichten von Schüler*innen zwar Freude bereitet, dass das, was mich wirklich fesselte, aber die wissenschaftliche, vor allem die philosophische Literatur und die dort behandelten Probleme sind. Dies führte auch dazu, dass ich mich entschied, ein viertes Fach zu studieren: das Erweiterungsstudium Medienpädagogik. Vor allem, weil mich ethische Fragen im Bereich Medien, insbesondere digitaler Spiele interessierten und ich mir so, einerseits durch Ethik, andererseits durch Medienpädagogik, für diese Fragen fundiertes Wissen aneignen konnte. Und offenbar blieb dies auch meinen Dozentinnen und Dozenten nicht verborgen. Denn 2014 fragte mich dann eine meiner Dozentinnen in Ethik, ob ich Interesse daran hätte, bei einem Call for Papers (CfP) einen Abstract einzureichen und, wenn dieser angenommen wird, den entsprechenden Text zu schreiben und zu publizieren. Denn in diesem CfP ging es um medienethische Fragen im Hinblick auf digitale Spiele und da sie nicht spielte, wollte sie unsere Expertisen zusammenbringen.
Dieser ganze Prozess, der mir zeigte, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eigentlich so tun, kann deshalb auch als der Punkt angesehen werden, an dem ich mir zum ersten Mal vorstellen konnte, im akademischen Kontext weiterzumachen. Denn das Recherchieren, Schreiben und vor allem, nach Annahme, Publizieren des Artikels, hatte mir solche Freude bereitet, dass ich von da an die Augen nach Gelegenheiten offenhielt, Abstracts oder ganze Texte einzureichen. Dies zog sich dann auch mein weiteres Lehramtsstudium durch, sodass ich mich an dessen Ende entschloss, nicht ins Referendariat zu gehen, sondern ein Masterstudium anzuhängen, um promotionsberechtigt zu sein. Während diesem Master in empirischer Bildungsforschung mit Schwerpunkt Medienbildung kamen dann weitere Artikel und Tagungsvorträge hinzu, sodass mir eigentlich immer klarer wurde, dass ich auch weiterhin nicht ins Referendariat, sondern mein Glück in der Wissenschaft versuchen möchte. Weshalb ich mich nach dem Masterabschluss wieder gegen selbiges entschied, erstmal aber auch keine Stelle hatte. Deshalb suchte ich mir eine Arbeit (Vollzeit im Kindergarten), mit der ich die Zeit überbrücken konnte und gegebenenfalls auch bis zum nächsten Eintrittstermin ins Referendariat arbeiten konnte. Denn falls ich nichts gefunden hätte, hätte ich wohl selbiges angetreten.


Wie gestaltete sich das Bewerbungsverfahren? Wie kommt man überhaupt an solch eine Stelle?


Zur Stelle kam ich dann nach einem halben Jahr Arbeit im Kindergarten über eine Ausschreibung. Diese wurde auf der Seite der PH Ludwigsburg veröffentlicht und so habe ich mich darauf beworben und wurde genommen. Dort gibt es immer mal wieder Ausschreibungen für Stellen. Da muss man, wie an anderen Universitäten aber auch, einfach mal schauen, was es gibt und was davon auf einen passt.


Welche Vorrausetzungen sollte man Ihrer Meinung nach mitbringen, wenn man eine Dozentenlaufbahn anstreben möchte?


Strukturiertheit, Durchhaltevermögen, ein gewisser Idealismus im Umgang mit der Lektürebereitschaft von Studierenden, eine eigene Lektürebereitschaft, die ja aber meist gegeben ist und vor allem die Fähigkeit und Bereitschaft, neben den mit so einer Stelle einhergehenden Aufgaben, weiter zu forschen und die Ergebnisse dessen zu Papier zu bringen.


Denken Sie, dass die PH ihre Studierenden auf eine solche Laufbahn vorbereitet oder würden sie sich hier mehr wünschen?


Ich denke, dass es viele Beispiele gibt, in denen Dozierende das wissenschaftliche Potential von Studierenden erkannt haben und ab diesem Zeitpunkt unter ihre Fittiche genommen haben, um mit ihnen die ersten Schritte hinein in die Wissenschaftswelt zu gehen. Ich denke, dass diese persönliche Unterstützung auch das war, was mir am meisten geholfen hat, mich in diesem unbekannten Terrain zurechtzufinden. Ob es sinnvoll wäre, eine offizielle Stelle einzurichten, an die Studierende sich wenden können, wenn sie die Überlegung haben, nicht ins Lehramt, sondern in die Wissenschaft zu gehen, weiß ich nicht. Man könnte es versuchen und sicherlich würde es den Studierenden helfen, die zwar das Potential haben, es aber nicht zeigen können, weil sie im Seminar zu schüchtern sind oder ähnliches. Von daher wäre das etwas, worüber man nachdenken könnte, sodass der wissenschaftliche Nachwuchs der PH auch so entstehen kann.


Wie ist es, sich in dieser veränderten Rolle zurechtzufinden? Gibt es noch Dinge, die Ihnen noch schwerfallen?


Schwerfallen nicht unbedingt, aber ungewohnt ist, dass ich die Studierenden nun sieze. Klar duze ich die Studierenden, die noch mit mir studiert haben, aber das ist ja eine Gruppe, die sich mit jedem neuen Semester verkleinert. Aber das Siezen ist wirklich das, was ich am ungewohntesten finde. Aber auch daran gewöhne ich mich.


Was hat Sie an ihrer neuen Tätigkeit am meisten überrascht?


Wie viel Verwaltungsaufwand dabei ist. Es kann sein, dass meine Wahrnehmung gerade dadurch getäuscht ist, dass ich gleich zum Einstieg mit den Kolleginnen und Kollegen eine Summer School plane und deshalb viel zu tun ist. Aber man muss viele Mails schreiben, sich an viele Stellen wenden, um die Dinge ins Laufen zu bringen. Aber auch daran gewöhne ich mich. Man muss diese ganzen Aufgaben einfach strukturieren und lernen, dass manche Mails warten müssen, bis man die jetzige Aufgabe abgeschlossen hat. Dann kommt man, bisher zumindest, ganz gut durch.


Haben sie Ex- Kommiliton*innen und Freunde, die noch an der PH studieren?


Ja, da ich in der Fachschaft Ethik war, noch ein paar.


Hat sich das Verhältnis in irgendeiner Form geändert?


Das wird sich erst noch so richtig zeigen. Ich wurde ja erst zum Semesterende eingestellt, jetzt ist vorlesungsfreie Zeit. So richtig sehe ich sie also nicht. Wenn das Wintersemester anfängt und ich ihnen regelmäßig über den Weg laufe oder sie sogar meine Studierenden sind, dann kann ich es besser beurteilen.


Wie verteilt sich das Arbeitsvolumen zwischen Forschung und Lehre? Welcher Teil reizt Sie persönlich mehr?


Im Moment bin ich eher am Planen und Forschen und am Vorbereiten der Lehre. Ich weiß aber von meinem Tutorium zum wissenschaftlichen Arbeiten, das ich mehrere Semester gemacht habe, dass mir Lehre sehr gut gefällt. Von daher überwiegt gerade der Forschungsteil. Es reizt mich aber beides und ich freue mich auf meine ersten drei eigenen Seminare nächstes Semester.


Wie sehen die weiteren Pläne für Ihre berufliche Zukunft aus?


Die Stelle, die ich habe, habe ich für die nächsten 4,5 Jahre. Das heißt, ich werde weiter Forschen und Lehren und, das ist wohl das nächste große Nebenprojekt, währenddessen im Zwischenbereich von Philosophie/Ethik und Medienpädagogik/Medienbildung promovieren. Wenn das vorbei ist, würde ich natürlich gerne im akademischen Bereich bleiben. Ob das klappt, werden wir sehen. Denn der akademische Bereich ist da nicht immer der, der am meisten Sicherheit verspricht. Ich bin aber optimistisch.


Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.