Studium & Campusleben

Auch Eltern haben noch nicht ausgelernt - Wie Studierende der PH Ludwigsburg die Erziehung und das Studium unter einen Hut bekommen

Wenn ich meine Großmutter frage, was als werdende Mutter von ihr erwartet wurde ist die Antwort klar: „Hausfrau sein! Ehefrau sein! Die Kinder erziehen!“

Heutzutage sieht das zum Glück anders aus.

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Egal ob geplant oder ungeplant. Egal ob früh oder spät. Egal ob fest im Leben stehend oder nicht. Kinder verändern das Leben ihrer Eltern maßgeblich, aber legen die Rollen bei weitem nicht mehr so fest wie früher. Zwar wird immer noch zu oft in geschlechterspezifischen Schubladen gedacht, dennoch wandelt sich unsere Gesellschaft immer mehr zum Positiven.

Was vor einiger Zeit undenkbar erschien, ist somit heute vollkommen normal:

Studieren mit Kind.

Das Leben ist nicht mehr so geradlinig vorgeschrieben, vor allem nicht was die Bildung betrifft. Egal in welchem Alter, jede Person hat die Möglichkeit sich weiterzubilden. Genauso wird auch Eltern die Möglichkeit der Weiterbildung gegeben. Es ist also alles andere als verwunderlich, dass die Zahl der studierenden Eltern immer höher wird.

An der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg studieren derzeit etwas über 6000 Student:innen. Der Aussage des Gleichstellungsbüros nach, kann davon ausgegangen werden, dass von diesen ungefähr 400 mindestens ein Kind haben. Ca. 75% der Studierenden identifizieren sich mit dem weiblichen Geschlecht, somit ist es auch keine große Überraschung, dass ein Großteil der Student:innen mit Kind Frauen sind. Das bestätigt auch Melanie Elze, die seit 2016 die Gleichstellungsreferentin der PH Ludwigsburg ist. Sie berichtet, dass es zwar immer mehr Männer gibt, die mit Fragen und Problemen auf sie zukommen, dennoch bleibt die Betreuung der Kinder oftmals noch Sache der Mutter. Dabei nennt Melanie Elze die beiden Hauptgruppen der Student:innen mit Kind. Zum einen Studentinnen, die während des Studiums schwanger werden und nicht wissen, wie dadurch ihr Studienverlauf beeinflusst wird. Zum anderen Studieninteressierte, die bereits ein Kind haben. Bei Letzteren handelt es sich oft um quereinsteigende Frauen im Alter von 30 bis 40 Jahren.

„Man darf Kinder im Lebenslauf sehen“

Laut der Gleichstellungsreferentin, ist das größte Problem in beiden Fällen die Betreuung. Wer studiert, hat meistens nicht unbegrenzt Geld zur Verfügung und kann somit auch keine rund um die Uhr-Betreuung der Kinder finanzieren. Mit Beginn der Pandemie konnten Eltern auch nicht mehr Oma und Opa miteinbeziehen. Zu groß war das Risiko, die Großeltern anzustecken. Die Meinungen über die Kinderbetreuung während der Pandemie sind geteilt. Auf der einen Seite war es immer möglich die Kinder   zu betreuen, da auch der Großteil des Studiums im Homeoffice möglich war. Auf der anderen Seite gibt es Eltern, die berichten, dass man durch diese neue Situation keine klare Grenze zwischen Studium und Privatleben ziehen konnte.

Durch den viel höheren Anteil an selbstständigem Lernen, kosteten einzelne Veranstaltungen deutlich mehr Zeit. Dazu kommt die dauerhafte Belastung durch die Kinderbetreuung.

Wer also mit Kind studiert, muss davon ausgehen, dass ein Vollzeitstudium nur schwer möglich ist, da auch die Kindererziehung ein Vollzeitjob ist.

Deshalb legt die Gleichstellungsreferentin nahe, dass es auch gerne langsamer gehen darf. Niemand der studierenden Eltern sollte sich zu viel auf einmal vornehmen.

Und auch wenn man im Endeffekt weniger Veranstaltungen pro Semester belegt oder ein Urlaubssemester einlegt, hat das keine negativen Aspekte auf die berufliche Zukunft.

„Man darf Kinder im Lebenslauf sehen“ sagt Melanie Elze, die selbst lange in der Personalabteilung gearbeitet hat und somit weiß, dass Kinder einem nicht die Karriere verbauen. Wichtig ist es also die Balance zwischen Erziehung, Studium und Privatleben zu wahren.

Doch was trägt die PH zu dieser Balance bei? Welche Hilfsangebote werden Studierenden mit Kind geboten?

Zunächst bildet natürlich die Gleichstellungsreferentin zusammen mit dem Gleichstellungsbüro eine große Stütze für studierende Eltern. Zu diesem Hilfsangebot zählen unter anderem Vernetzungstreffen, die mittlerweile zweimal in der Woche stattfinden, so wie ein eigens für studierende Eltern angelegter Moodlekurs, der mittlerweile mehr als 150 Teilnehmer:innen zählt. Des Weiteren gibt es Entgegenkommen durch die PH an sich, dass sich durch eine bevorzugte Zulassung für zulassungsbeschränkte Kurse, oder die Verlängerung für Abgabefristen äußert.

Außerdem gibt es die von Studentenwerk Stuttgart geführte KiTa „Löwenzahn“ auf dem Campus, die hauptsächlich für die Kinder von Studierenden vorgesehen ist.

 

Nähere Informationen

Für genauere und ausführlichere Informationen steht die Seite des Gleichstellungsbüros mit Flyern und Terminen für Beratungsgesprächen zur Verfügung.

https://www.ph-ludwigsburg.de/hochschule/zentrale-ansprechpartnerinnen/gleichstellung