Kaum eine Filmszene hat sich so tief ins kollektive Gedächtnis eingeprägt wie dieser Ausbruch. Der Film Network (Regie: Sidney Lumet, USA 1976) wirkt auch heute noch erschreckend aktuell.
Im Mittelpunkt steht der Nachrichtensprecher Howard Beale, der nach seiner Entlassung vor laufender Kamera einen emotionalen Zusammenbruch erleidet. Anstatt ihn aus dem Programm zu nehmen, erkennt der Sender das Einschaltpotenzial seiner Wutausbrüche und nutzt diese gezielt, um die Zuschauerzahlen zu steigern. Beale wird so zur Attraktion und zur Stimme eines Publikums, das selbst von Frustration und Überforderung geprägt ist.
Was zunächst wie eine satirische Überzeichnung wirkt, entwickelt sich schnell zu einer klaren Kritik an den Medien. Der Film zeigt eine Fernsehwelt, in der Einschaltquoten wichtiger sind als journalistische Verantwortung. Nachrichten werden immer stärker inszeniert, während die Realität zur Show wird und Gefühle zur Ware werden.
Besonders hervorzuheben ist die Figur der Diana Christensen, gespielt von Faye Dunaway. Sie handelt skrupellos und orientiert sich ausschließlich an Quoten, ohne moralische Grenzen zu beachten. In ihr zeigt sich die zentrale Frage des Films. Was passiert, wenn Medien nicht mehr informieren, sondern vor allem unterhalten wollen?
Peter Finch als Howard Beale liefert eine beeindruckende Darstellung. Seine Monologe schwanken zwischen Wahnsinn, Verzweiflung und einer fast schon hellsichtigen Klarheit. Genau das macht die Figur zugleich faszinierend und verstörend.
Obwohl der Film mehrere Jahrzehnte alt ist, wirkt seine Thematik überraschend aktuell. Die Kritik an den gezeigten Mechanismen lässt sich heute in sozialen Netzwerken, in dauerhafter Empörung und in Inhalten, die mit übertriebenen Versprechen Aufmerksamkeit erzeugen, wiederfinden. Aufmerksamkeit ist zur wichtigsten Währung geworden. Eine Entwicklung, die der Film schon früh vorwegnimmt.
Network ist weit mehr als ein Film über das Fernsehen der 1970er Jahre. Er ist eine kluge und beunruhigend aktuelle Auseinandersetzung mit der Macht der Medien. Wer sich für Journalismus, Machtverhältnisse und die Wirkung von Medien interessiert, sollte diesen Film unbedingt sehen.