PH-Studierende on Tour bei den Anonymen Alkoholikern in Warm Springs

Ann-Kristin Nothacker

18 Studierende erkundeten unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Kirchner und Rolf Kutzke im Rahmen der Großexkursion der Abteilung Geographie  während einer 18-tägigen Rundreise vom 5. bis 23. September 2017 den Nordwesten der USA. Neben den physischen- und humangeographischen Prozessen prägten vor allem auch die ungeplanten Erfahrungen die Exkursionsteilnehmer und bildeten somit die heimlichen Erinnerungshighlights. Denn wer hätte schon damit gerechnet, dass eine Exkursion die Geo-Studierenden zu den Anonymen Alkoholikern führt?

Im September des vergangenen Jahres starteten die Studierenden der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in ihre Großexkursion durch den Nordwesten der USA. Insgesamt wurden ca. 2500 Meilen mit fünf Mietfahrzeugen zurückgelegt.

Von Frankfurt aus flogen die Studierenden zunächst nach Portland, um dann Richtung Osten nach Billings zur Partneruniversität „Montana State“ der PH zu fahren. Dieser Standpunkt wird wohl für alle Teilnehmer unvergessen bleiben: Schmutzige Betten, Regenwasser, welches durch das marode Dach in die Zimmer gelangte, und ein Parkplatz, auf dem sich die Einheimischen nachts lautstark trafen, sorgten nun wirklich nicht für eine angenehme Nachtruhe. Von dort aus führte die Reise dann zum Glück wieder zurück nach Portland, wo die Exkursion für die Teilnehmer variabel endete.

Inhaltlich wurden die Wirtschafts- und Stadtgeographie in Portland sowie die vulkanischen Erscheinungsformen z.B. am Mount St. Helens behandelt. Leider war die Sicht aber nicht gerade eindrucksvoll, denn die Landschaft wurde von einer Aschewolke bedeckt. Und so bleibt den Exkursionsteilnehmern Portland nicht unbedingt als schöne Stadt in Erinnerung. Außerdem bildeten die Küstenmorphologie, die Sanddünen, zahlreiche Wasserfälle und die Besiedlung des Westens wichtige Themenschwerpunkte.

Am beeindruckendsten waren aber sicherlich die außergewöhnlichen rotgoldenen Gesteinsschichten der Painted Hills, welche durch den Sonnenschein perfekt in den verschiedensten Farben angestrahlt wurden, und der Yellowstone Nationalpark mit seinen heißen Quellen in den unterschiedlichsten Farbverläufen, wie z.B. Grand Prismatic Spring. Auch der Old Faithful Geysir, welcher das heiße Wasser explosionsartig an die Oberfläche beförderte, erinnerte stark an landschaftliche Erscheinungsformen auf Island. Die Glazialmorphologie am Steens Mountain und die Salztonebene Alvord Desert waren ebenfalls sehr eindrucksvoll. Vor allem weil die Fahrt auf den Berg durch Schneestürme und Windgeschwindigkeiten von bis zu 81 km/h auf einer Höhe von knapp 3000 Metern abrupt endete. Denn die wenigen mutigen Studierenden, welche sich trauten, das sichere Mietauto zu verlassen, konnten sich kaum auf ihren Beinen halten und verschwanden schon nach wenigen Metern in dichtem Nebel. Leicht zu verkraften war diese Enttäuschung aber durch eine Überraschung von Herrn Kirchner: Dieser lud die Studierenden stattdessen an einem Rastplatz zum typisch amerikanischen apple pie ein. Doch was haben die PH-Studierenden mit den Anonymen Alkoholikern in Warm Springs zu tun?

Für den vorletzten Exkursionstag war der Besuch im Warm Springs Indian Reservation vorgesehen. Geplant war die Führung durch ein Indianerreservat und die Demonstration von Stammesritualen durch einen Ureinwohner. Doch dazu kam es durch missverständliche Kommunikation nicht, stattdessen befand sich die Exkursionsgruppe mitten in einer Selbsthilfegruppe für Anonyme Alkoholiker, in der sie freundlich aufgenommen und begrüßt wurde. Sichtlich irritiert harrte die Exkursionsgruppe zunächst in der Situation aus, bevor sie sich schließlich nach einer freundlichen Verabschiedung erleichtert zurückzog.

Rückblickend bleiben neben den faszinierenden Naturlandschaften also vor allem diese Momente im Gedächtnis der Studierenden, welche zwar selbstverständlich nicht geplant waren, aber die Exkursion trotzdem nachhaltig geprägt  haben und an die noch lange mit einem Schmunzeln zurückgedacht wird. Denn wer kann schon von sich behaupten, ein Treffen für Anonyme Alkoholiker in einem Indianerreservat besucht zu haben?

Wer jetzt gerne noch mehr über die spannende Exkursion durch den Nordwesten der USA erfahren möchte, findet einen ausführlichen Bericht über ausgewählte Tage auf der Homepage der PH Ludwigsburg unter der Rubrik „Galerie“ der Abteilung Geographie.