Willkommen in Deutschland ("Sprachlotsen-Projekt")

Moritz Kuchenbuch

2015, die „Flüchtlingskrise“ hat Deutschland fest im Griff. Flüchtlinge strömen aus den unterschiedlichsten Krisengebieten nach Europa. Sie suchen Zuflucht, sie hoffen auf ein besseres Leben und nicht zuletzt suchen sie nach Geborgenheit. Nach, zum Teil, langer Odyssee, quer durch ganz Europa, landen sie auch bei uns. Plötzlich sind sie da und alle sind überfordert! Die Behörden, die Stadtverwaltungen aber auch die Flüchtlinge selber! Sie sind auf einmal in einem fremden Land, in einer fremden Umgebung, sie verstehen kaum die Sprache, ganz zu schweigen von den Bräuchen und den Blicken. Sie suchen Anschluss um sich anzupassen, sich integrieren zu können. Doch wer soll ihnen helfen sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden?

Genau zu diesem Zeitpunkt wandte sich ein engagierter, ehrenamtlicher Mitarbeiter einer der Unterkünfte für die Geflüchteten, Jürgen Nenz, an die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg (PH Ludwigsburg). Daraufhin wurde an der PH ein Seminar unter dem Titel „Deutschunterricht für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Deutschkenntnisse“ angeboten. Im Rahmen dieses Seminars gab eine Gruppe von Studierenden einmal in der Woche Deutschunterricht für eine Gruppe von Jugendlichen mit Fluchterfahrung. Die Dozentin des Seminars, Dr. Viktoria Ilse, und der Leiter des Sprachdidaktischen Zentrums, apl. Prof. Dr. Stefan Jeuk, waren der Meinung, dass ein Angebot dieser Art fortgeführt werden müsste.
Und so entstand das „Sprachlotsen-Projekt“, in diesem Format finden sich Studierende und Geflüchtete zusammen. Die Studierenden fungieren als Lotsen für die Asylsuchenden. Es bilden sich Tandems. Die Studierenden und die Asylsuchenden teilen sich die Zeit für das Projekt frei ein. Es liegt also in ihrer Verantwortung, wann sie sich treffen, genauso wie es in ihrer Verantwortung liegt was sie in der Zeit machen. Anders als es im ersten Moment klingt handelt es sich hierbei nämlich nicht um Sprachunterricht im klassischen Sinne. Vielmehr geht es beim „Sprachlotsen-Projekt“ darum, dass die Sprachlotsen, wie der Name schon verrät, als Lotsen fungieren. Als Lotsen für die Geflüchteten in der neuen Umgebung. Daraus ergibt sich auch, dass die Möglichkeiten, was die Zwei eines jeden Tandems in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit machen, vielfältig sind. Wie schon erwähnt handelt es sich nicht um klassischen Sprachunterricht, vielmehr besteht die Möglichkeit zusammen ins Museum zu gehen oder die Bücherei zu besuchen. Andere Möglichkeiten bestehen in der Unterstützung bei Behördengängen oder Arztbesuchen. Natürlich ist es auch möglich, dass es zu Sprachunterricht kommt, zum Beispiel wenn Hilfe bei den Hausaufgaben für den Integrationskurs benötigt wird. Ansonsten steht die Sprache, auf den ersten Blick, an zweiter Stelle. Vielmehr geht es darum, dass die Asylsuchenden Ansprechpartner haben. Genau wie die Gründe für die Flucht eines jeden einzeln betrachtet werden müssen, so müssen auch die Bedürfnisse einzeln betrachtet werden. Der eine braucht Hilfe bei den Hausaufgaben, der andere beim Behördengang und wieder ein anderer möchte einfach mal raus aus der Einöde seines Wohnheims.

Im Gegensatz zu der einhelligen Meinung der Politik, Sprache sei der Schlüssel zur Integration, ist apl. Prof. Dr. Jeuk der Meinung, dass Integration der Schlüssel zur Sprache ist.

Bald wurden die Verantwortlichen des Projekts von Anfragen überhäuft. Der Ansturm war nichtmehr zu meistern. Zum Glück hatte sich schon zu Beginn des Projekts gezeigt, dass die Studierenden dieses auch eigenständig organisieren können und so ist das „Sprachlotsen-Projekt“ jetzt unter studentischer Leitung. Und es lässt sich sagen, es ist ein Selbstläufer.

Wer Interesse hat und sich für das Projekt interessiert kann sich auf der Homepage der PH informieren.

https://www.ph-ludwigsburg.de/sprachlotsen

Hier ist auch die E-Mailadresse: refugeeswelcome(at)ph-ludwigsburg.de zu finden und eine ausführliche Infobroschüre als Pdf.