Ich habe mich nun gefragt, ob die Musik im Hintergrund mein Gehirn nun wirklich beflügelt oder ich mich dadurch vielleicht doch nur selbst ausbremse.
Die Forschung ist sich bei dieser Frage uneinig. Während einige Studien zeigen, dass Musik die Leistung mindern kann, fanden andere überhaupt keinen negativen Zusammenhang oder sogar positive Effekte auf die Stimmung.
Der Alltag: Warum wir ohne Sound nicht können
Warum greifen eigentlich so viele von uns instinktiv zur Musik, wenn das Lernen ansteht? Laut Umfragen des Musikwissenschaftlers Günther Rötter sind es etwa 84 bis 87 Prozent der Schüler*innen und Studierenden. Das ist unglaublich? Dachte er auch! Und deshalb wiederholte er 2012 die Studie ganze vier Mal vor der Veröffentlichung.
Musik dient oft als ein emotionaler Anker: Sie hilft dir, den Lernstress zu lindern, Ängste abzubauen und dich in eine positive Grundstimmung zu versetzen. Musik-Streaming-Dienste bieten heute riesige Playlists mit Namen wie „Deep Focus“ oder „Lo-Fi Beats“, die Millionen an Klicks haben. Viele nutzen diese digitalen Klangteppiche, um Außengeräusche wie Baustellenlärm oder laute Nachbarn auszublenden.
Was passiert in deinem Gehirn?
Macht dich Mozart aber denn jetzt wirklich schlauer, wie es der berühmte „Mozart-Effekt“ verspricht? Die Wissenschaft, unter anderem Jansen-Osmann, sagte dazu schon vor 20 Jahren: Das Hören von Klassik steigert nicht dauerhaft deinen IQ. Vielmehr handelt es sich eher um einen kurzfristigen Stimmungs- und Erregungseffekt, der dich kurzzeitig empfänglicher für Informationen machen kann – naja immerhin etwas!
Hast du aber schon bemerkt, dass dich Lieder mit Text beim Lesen von Fachbüchern massiv stören? Das liegt daran, dass dein Gehirn Sprache und Musik teilweise über dieselben neuronalen Netzwerke verarbeitet. Das führt zu einer „Interferenz“ – also dem Zusammenstoßen zwei sehr ähnlicher Reize in deinem Kopf – die dich wertvolle Konzentration kostet. Tipp: Setze also lieber auf Instrumentalmusik mit 50 bis 80 Beats pro Minute, da dieser Rhythmus als optimaler Fokus gilt.
Individuelle Lerntypen: Bist du ein Musik-Lerner?
Kennst du das: Dein Sitznachbar kann bei lautem Rock lernen, während du schon bei leisem Summen eine Krise bekommst? Das ist eine Typsache! Extrovertierte Menschen lassen sich oft weniger ablenken als Introvertierte. Bei Routineaufgaben kann Musik dich motivieren. Bei völlig neuen, komplexen Inhalten ist jedoch absolute Stille meistens immer noch der beste Begleiter. Wusstest du, dass laut der „Akademie für Lerncoaching“ in Zürich und anderen Studien, Jugendliche mit ADHS bei moderater Hintergrundmusik oft sogar besser rechnen können? Dadurch hebt sich nämlich ihr Aktivierungsniveau auf ein optimales Maß.
Praxis-Tipps: So baust du deine perfekte Playlist
- Wie vorhin beschrieben: Wähle Instrumentalmusik (Lo-Fi, Klassik oder Ambient)
- Vermeide das Radio: Ständige Unterbrechung durch Moderation oder auch Werbung zerstört deinen „Flow“ total
- Nutze die Playlist als Timer: Wenn die Musik endet, ist Zeit für eine (verdiente!) Pause
Gibt es sie also wirklich? Die eine, perfekte „Super-Musik“ für top Lernergebnisse?
Ich muss dich enttäuschen: Wahrscheinlich nicht… Die Forschung zeigt deutlich, dass der wichtigste Faktor dein persönlicher Geschmack ist. Vertrau auf dein Gefühl: Experimentiere mit Tempo und Lautstärke, bis du merkst, was dich wirklich in den Fokus bringt. Am Ende ist dein Lernerfolg so individuell wie dein Musikgeschmack.