PH Studium

Sichtbarkeit beginnt auf dem Klo! Warum die „Toilette für alle" nicht ausreicht.

Ein Schild, zwei Türen – und die Frage, wer sich wirklich sicher fühlt. Warum wir FLINTA-Toiletten brauchen.

Ausschilderung "WC für alle"

Sommerfest an der PH. Du willst nur schnell aufs Klo. Zwei Türen: „Damen-WC“ oder „Toilette für alle“. Als nicht binäre Person entscheidest du dich für die zweite Option. Tür auf, und schon spürst du sie: die neugierigen, angetrunkenen Blicke der Cis-Männer.

Klingt unangenehm? Ist es auch.

Solche Situationen begleiten mich seit drei Semestern an der PH Ludwigsburg, und ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Es hat gedauert, bis ich verstanden habe, wie sich dieses Problem lösen ließe: mit einer „FLINTA*-Toilette“.

Für alle, die 2026 immer noch unsicher sind, was FLINTA* bedeutet, hier die Kurzfassung: FLINTA* steht für Frauen, Lesben, Inter-, nichtbinäre, Trans- und agender Personen. Das Sternchen schließt weitere marginalisierte Genderidentitäten ein. Kurz: Alle, die keine Cis-Männer sind und patriarchale Diskriminierung erleben.

Ein Artikel des Missy Magazins (2020) erklärt Begriff und Hintergrund sehr anschaulich. Frühe feministische Bewegungen richteten sich vor allem an endo-cis-Frauen, also Frauen, deren Genderidentität und körperliche Merkmale den gesellschaftlichen Normen von Weiblichkeit entsprechen. Lesben, Transpersonen und andere queere Gruppen mussten lange um Sichtbarkeit im Feminismus kämpfen. Mitte der 1980er Jahre und dem Aufkommen queerfeministischer Theorien, unter anderem von Judith Butler, wurde immer deutlicher: Geschlecht ist vielfältig, und feministische Kämpfe müssen diese Vielfalt mitdenken. Geschlecht ist nach Judith Butler keine natürliche Eigenschaft, sondern entsteht erst durch wiederholte, gesellschaftlich geformte Handlungen, also durch Performativität.

Einer der zentralen Punkte sind FLINTA*-Räume. Sie sollen Schutz bieten, für alle, die patriarchale Diskriminierung erleben. Solche Räume ermöglichen Rückzug, Stärkung und Solidarität. Sie sind wichtig, weil viele FLINTA*-Personen im Alltag weiterhin Sexismus, Queerfeindlichkeit, Misgendering, Gewalt oder die Unsichtbarmachung ihrer Identität erfahren. FLINTA*-Räume schaffen Bedingungen, in denen diese Erfahrungen nicht reproduziert werden.

Und genau hier wird deutlich, warum die „Toilette für alle“ nicht ausreicht. Es geht nicht darum, Männern etwas zu unterstellen. Es geht um das Wohlbefinden von Menschen, die oft schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben, geprägt von einer Gesellschaft, die noch immer stark heteronormativ funktioniert. Würde man das Schild einfach austauschen und dort „FLINTA*-Toilette“ lesen, wäre vielen schon geholfen. Dann würde der Weg quer über den Campus zumindest mit einem besseren Gefühl angetreten werden. Gleichzeitig bleibt das geringe Angebot an Toiletten, die nicht an ein binäres Geschlechtersystem gebunden sind, ein Problem für sich.

Am Ende geht es um etwas sehr Einfaches: das Gefühl, gesehen und ernst genommen zu werden. Vielleicht regt dieser Artikel ja zum Nachdenken an. Und wer weiß, vielleicht führt er sogar dazu, dass es an der PH bald einen echten Schutzraum für FLINTA*-Personen gibt.