Nachhaltigkeit an der PH Ludwigsburg?!

Alexandra Fritz

PH-Studierende interviewen verschiedene Hochschulakteure

Morgens, 08:00 Uhr an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg: Verzweifelt drehen etliche Studierende mit dem Auto die dritte Runde um den Parkplatz – jedoch erfolglos! Dann eben doch ins Halteverbot stellen und mit dem Coffee-to-go Becher in der Hand ab ins Seminar! Man könnte meinen, nachhaltiges Verhalten sei für einige ein Fremdwort. Dabei  sollen  doch gerade angehende Pädagoginnen und Pädagogen ihren Schülern nachhaltiges Verhalten im Kontext der ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung‘, einer Leitlinie im Bildungsplan, später einmal vermitteln und vorleben.

Prof. Dr. Armin Lude, Prof. Dr. Katrin Bedernaund zwei Mitglieder der studentischen Nachhaltigkeitsinitiative ZukunftsPHähig waren der Meinung, dass das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ den Studierenden nähergebracht werden müsse. Sie riefen daraufhin zum Wintersemester 2017/18 die Ringvorlesung ‚Klima – Nachhaltigkeit – Bildung‘ ins Leben. Es fanden wöchentliche Vorlesungen verschiedener Dozenten aus den Abteilungen Biologie, Chemie, Geographie, Theologie und Philosophie sowie Sonderpädagogik und Bildungsmanagement statt.
Mit dem Grundlagenwissen aus diesen Vorlesungen sollten die Studierenden in Gruppen unterschiedliche Projekte planen und umsetzen, welche die Nachhaltigkeit an der PH langfristig verbessern. Unter anderem wurde die Mülltrennung an der PH umgestellt, an einer Online-Mitfahrplattform gearbeitet und Recherchearbeit zur Verbesserung des Energieverbrauchs der PH geleistet.

Im Rahmen dieses so genannten „Service Learnings“ führte unsere Projektgruppe eine Interviewreihe mit verschiedenen Hochschulakteuren durch. Hierbei sollte ein breites Meinungsbild zum Thema ‚Nachhaltigkeit an der PH‘ erhoben werden. Dazu wurde der Rektor der Pädagogischen Hochschule, Prof. Dr. Martin Fix, Prof. Dr. Katrin Bederna, welche die Ringvorlesung leitete, Mitglieder der Nachhaltigkeitsinitiative ZukunftsPHähigsowie eine weitere Studentin der PH interviewt.

Nachhaltigkeit – was ist das überhaupt?

Im näheren Umfeld und Bekanntenkreis stellen wir häufig fest, wie wenige Menschen mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ etwas anfangen können. Umso erfreulicher war es, dass alle unsere Befragten ähnliche Aspekte mit diesem Thema verbunden haben. Frau Bederna fasste zusammen: „Nachhaltigkeit ist ein Handeln, welches das menschliche Leben auf der Erde nicht unmöglich macht, auch wenn alle anderen Menschen ebenso handeln.“ Genannte Details waren außerdem die Aspekte „verantwortungsvoller Ressourcenverbrauch“ und das „Schützen der Natur“.

Wie nachhaltig ist die Pädagogische Hochschule?

Uns war es wichtig herauszufinden, wie nachhaltig unsere Befragten die Pädagogische Hochschule einschätzen und welche Nachhaltigkeitsaktionen und -initiativen ihnen bekannt sind.

Engagiert geht hier die Initiative ZukunftsPHähig voran. Patricia Mohr und Tanja Kuner, beide Mitglieder der Initiative, gaben uns bei ihrem Interview einen Überblick über die Projekte, die ZukunftsPHähig an der PH schon verwirklicht hat: „Die Aktionen, die wir machen sind relativ klein, zum Beispiel Sachen wie Kleidertauschpartys oder Althandys sammeln. Wir haben, was eine größere Aktion war, einen Schneemann aus Wegwerfbechern gebastelt und hatten damit großen Erfolg.“ Eine größere Aktion, bei der auch der Rektor Herr Fix anwesend war, war die Podiumsdiskussion mit dem Titel „Unsere Hochschule: Zukunftsfähig?“.
Herr Fix betonte während des Interviews, dass er es beeindruckend und lobenswert finde, wie das Thema Nachhaltigkeit bei den Studenten wieder auf neues Interesse stößt. Bei der Frage, welche Verbesserungsvorschläge er für eine nachhaltigere PH hat, erwähnte er die Gebäude aus den 60er Jahren, welche durch schlechte Isolierung einen sehr hohen Energieverbrauch hätten.
Deutlichen Verbesserungsbedarf sieht Frau Bederna unter anderem im Bereich Mobilität: „Wir haben die S-Bahn Haltestelle, aber wir haben keinen Weg von der Haltestelle zur Hochschule. Man muss sich durch die Autos durchschlängeln. Wir haben keinen Weg für Fahrradfahrer und keinen Fahrradparkplatz.“
Das Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ sei nach Herrn Fix Meinung durch die Einbeziehung in den Bildungsplan ausreichend in der Lehrerbildung enthalten. Mit Veranstaltungen wie der laufenden Ringvorlesung versuche man nun, das Thema in die Breite der PH zu tragen.
Frau Bederna fügte an diesem Punkt noch hinzu, dass es Veranstaltungen zu BNE vor allem in der Biologie- und der Geographiedidaktik gebe.


Nachhaltiges Verhalten außerhalb der Hochschule
Interessant war für uns als Projektgruppe außerdem, welchen persönlichen Beitrag zu einem nachhaltigen Verhalten unsere Befragten leisten.
Die Studentin F.O. versucht mit kleinen Dingen etwas zu bewirken: „Bei Schokolade achte ich sehr darauf, dass es Fair-Trade Schokolade ist. Ich versuche auch frisches Gemüse und Obst zu kaufen, statt Tiefgekühltes.“
Vor allem im Bereich Mobilität zeigten sich unsere Interviewten sehr engagiert. Herr Fix gab an, jeden Tag entweder mit der S-Bahn oder mit einem Hybridauto zur Hochschule zu fahren. Frau Bederna und Patricia Mohr bevorzugen das Fahrrad. Auch ist es ihnen ein Anliegen, privat möglichst nachhaltig zu handeln. Ihre Tipps hierfür: vorwiegend pflanzliche Ernährung, der Verzicht auf ein Auto und möglichst auch auf Flugreisen. „Ich bin der Meinung“, so Frau Bederna, „dass man ständig mit sich ins Gebet gehen muss.  Der Mittelweg ist oft eine Entschuldigung dafür, letztlich doch nichts zu machen.“

Während der Durchführung unseres Projektes stellten wir fest, dass das Thema „Nachhaltigkeit“an der PH längst nicht mehr hinter verschlossener Türe diskutiert wird. Durch das Engagement von Initiativen wie ZukunftsPHähig wird auf viele Problematiken aufmerksam gemacht. Hervorzuheben sind auch die vielen Studierenden, die dem morgendlichen Verkehrschaos trotzen und sich bei Wind und Wetter aufs Fahrrad schwingen. Das sind die ersten kleinen Schritte, um den Stein endgültig ins Rollen zu bringen.