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Corona trifft den Vereinssport mitten ins Herz

Keine Menschenseele auf dem Fußballplatz - Corona macht auch vor dem Sport keinen Halt

Die Corona-Pandemie hat die Welt noch immer fest im Griff. Während viel über systemrelevante Berufe, die neuen Herausforderungen des familiären Zusammenlebens oder Existenzängste von Selbstständigen berichtet wird, werden Sport- und Freizeiteinrichtungen viel zu selten in den Fokus genommen.
Gerade für Heranwachsende bieten sportliche Aktivitäten einen enormen Ausgleich zu den momentan steigenden alltäglichen Herausforderungen, doch die Bundesregierung sah sich gezwungen, von Oktober 2020 bis Mai 2021, jeglichen Betrieb des Vereinssports aufgrund der zu hohen Ansteckungsgefahr zu unterbinden.
Muriel Haber – Handballspielerin der SG Aidlingen-Ehningen – berichtet vom trüben Lockdown-Alltag bis hin zur Hoffnung, gesund in die neue Saison zu starten.
In unserem Gespräch wollten wir Einzelheiten zur momentanen Situation im Vereinssport in Erfahrung bringen.

Guten Tag, Frau Haber. Wie ist die Stimmung in Ihrem Verein seit dem Ausbruch der Corona Pandemie?
Anfangs war natürlich viel Frustration dabei, dass man nicht so weitermachen konnte, wie bisher. Zusätzlich auch eine große Enttäuschung, da der Spielbetrieb mitten in der Saison unterbrochen werden musste, aber so langsam entwickelt sich die Stimmung zur Vorfreude, darauf, dass es weitergeht und die Hoffnung, dass eine komplette Saison gespielt werden kann.

Sie dürfen nun wieder mit Ihrer Mannschaft in der Halle trainieren. Wie geht es Ihnen damit? Steht die Freude im Vordergrund oder sind eventuell die Ängste, wieder nicht trainieren zu können, größer?
Da die Infektionszahlen momentan sinken, stehen definitiv die Freude und der Spaß im Vordergrund, man genießt das tatsächlich. Trotzdem hat man immer im Hinterkopf, ob die Saison im Oktober wirklich beginnen kann – können wir weiter trainieren oder gibt es eine erneute Welle? Das sind Gedanken und Ängste, die jeden Spieler und Trainer begleiten. Dennoch überwiegt die Freude, gemeinsam trainieren zu können.

Fürchten Sie, dass im Handball mittel- und längerfristig die Spieler verloren gehen? Könnte ihm gar die gesamte jüngere Generation wegbrechen?
Diese Sorgen bestehen definitiv. Da ich in der aktiven Mannschaft spiele, kann ich davon berichten, dass es im aktiven Bereich weniger Verluste gibt, jedoch betrifft das stark die jüngeren Generationen, zum einen hören viele auf, zum anderen gibt es sogenannte Grundschulaktionstage nicht mehr, die immer ein sehr hohes Werbepotenzial haben und es finden keine Spieltage mehr statt, die normalerweise Leute für das Handballspielen begeistern. Gerade der jüngste Teil an Spielern, die neu einsteigen würden, fällt komplett weg und das ist sehr schlimm, vor allem für einen kleinen Verein auf dem Dorf.

Was ist Ihnen als Sportlerin durch den Kopf gegangen, als der zweite Lockdown beschlossen wurde?
Anfangs habe ich mich persönlich sehr aufgeregt und war einfach super enttäuscht, weil die Saison von kurzer Dauer war, mit nur drei Spielen. Das alles war sehr frustrierend, da sich viel Mühe gegeben wurde bei der Umsetzung des Hygienekonzepts. Durch den zweiten Lockdown kam es wieder zu zahlreichen Rückschritten und zur Einstellung des Trainingsbetriebs, umso mehr gibt es die Hoffnung, dass alles bald wieder funktioniert.

Was sind Ihre größten Ängste bezogen auf Corona und Sport?
Ängste, sich mit Corona anstecken zu können, gibt es momentan nicht, da es eine Testpflicht gibt und einige aus dem Verein auch schon vollständig geimpft sind, jedoch bleibt Corona ein unberechenbares Thema und wir werden die nächsten Jahre viel mit Einschränkungen und auch Hygienekonzepten arbeiten müssen, was vor allem auch das Vereinsleben neben dem Sport unheimlich einschränkt.

Wie sind Sie während des Lockdowns sportlich aktiv geblieben?
Ich bin zweimal die Woche Laufen gegangen und habe ab und zu zu Hause ein Krafttraining absolviert. Aber das ist natürlich kein Vergleich zu dem Training mit den Vereinskameraden direkt in der Halle.

Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch und drücken die Daumen, dass die kommende Saison ohne unerwünschte Unterbrechungen stattfinden kann.