Kultur

Eine heikle Diskussion um die Denkmäler

Sollte man Denkmäler und Statuen, welche die brutalen Taten der Kolonialherrscher unterstreichen und ehren, stehen lassen oder abreißen? Sind unsere allbekannten Denkmäler vergangener Kolonialherren überhaupt noch mit den Wertvorstellungen der Bundesrepublik Deutschland vereinbar?

Bereits seit einigen Jahren kommen immer wieder Debatten rund um das Thema “Denkmäler” auf: Im Juni 2020 warfen Unbekannte in Bristol in Großbritannien die Statue des Sklavenhändlers Edward Colson in den Hafen und auch in Hamburg wurde die Bismarck Statue im alten Elbpark mit blutroter Farbe beschmiert. Während Otto von Bismarcks Amtszeit als deutscher Reichskanzler entstanden die ersten deutschen Kolonien. Aber warum werden diese, bereits seit Jahrhunderten stehenden Statuen, gerade jetzt verunstaltet oder sogar gestürzt? Ausschlaggebender Punkt war die Black Lives Matter Bewegung (BLM), die im selben Jahr durch den Tod von George Floyd ein großes Ausmaß annahm. Der Afroamerikaner George Floyd wurde am 25.05.2020 verdächtigt, mit einem gefälschten 20 Dollar schein gezahlt zu haben und wurde daraufhin von dem Polizist Derek Chauvin während der Verhaftung ermordet.


Doch was hat Bismarck oder Edward Colson mit dem Tod des US-Amerikaners zu tun? Unter anderem durch die vergangene Kolonialgeschichte erleben People of Color auch heute noch Rassismus und Diskriminierung. Ein Problem der Statuen ist meist die fehlende Aufklärung über den Hintergrund der Person, welcher die Statue gewidmet ist.  Deutschland war vom Jahre 1884 bis 1919 eine der drei größten Kolonialmächte neben Frankreich und Großbritannien. Diese setzten in ihren Kolonien Reformprojekte um, raubten Kunstwerke, führten medizinische Experimente an Einheimischen durch, begingen Massenmorde, Ausbeutung uvm.
Trotz all dieser Fakten stellt sich dennoch die Frage, ob es rechtens ist, diese Statuen zu verunstalten oder zu zerstören.
Kommt es zur Zerstörung dieser Denkmäler, kann hier eine Betroffenheit bei den Opfern dieser Kolonialstaaten und ihren Angehörigen beobachtet werden. Aber auch die im Nachhinein über die deutsche Kolonialgeschichte Aufgeklärten entwickeln verständlicherweise eine Wut gegenüber der abgebildeten Person, sowie gegenüber der dadurch stattfindenden Ehrung. Für die Opfer des deutschen Kolonialismus gibt es zudem kaum Gedenkorte, für die Täter – gerade durch diese Statuen - allerdings schon. Ein Denkmal hat immer eine positive Wirkung, was mit den Taten der Personen, aus heutiger Sicht, nicht legitimiert werden kann. Ferdinand Knolle, ein Mitglied des Vereins Spurensuche Harzregion, ist der Meinung, dass solch eine Statue an dieser Stelle verschwinden sollte und in ein Museum mit zusätzlicher Einbettung in den historischen Kontext gehört. Ein prunkvolles Denkmal kann zudem ein falsches Bild der Gesellschaft vermitteln, da dadurch die Taten dieser Personen in ein unangebrachtes Licht gerückt werden.  


Es lassen sich jedoch auch Argumente gegen den Abriss solcher Statuen und Denkmäler finden. Neben dem Aspekt, dass diese dem Staat gehören, ist eine Sachbeschädigung keine Lösung und keineswegs gerechtfertigt. Denn die Zerstörung allein wird keine Veränderung bewirken. Bei der Lösungsfindung sollte auf eine faire Debatte gesetzt werden. Diese Statuen sind nicht nur Denkmäler, sondern sind auch als ein Überbleibsel, eine Sachquelle, aus einer vergangenen Zeit zu betrachten und sollten deshalb nicht wahllos zerstört oder verunstaltet werden. Somit ist ein Abriss nicht die beste und einfachste Lösung, da hier nicht nur die Täter/innen und deren Taten, sondern auch die Opfer in Vergessenheit geraten. Auch die Historikerin Katharina Oguntoye ist der Meinung, dass der Raum für einen thematischen Diskurs durch die Zerstörung verloren geht. Die aus einer anderen Zeit stammenden Statuen repräsentieren eine vergangene Ansicht. Der Kunsthistoriker Arnold Bartetzky betont, dass nicht alle öffentlich ersichtlichen Dinge dem heutigen Weltbild unserer Gesellschaft entsprechen. Er warnt vor der Zerstörung oder Beschädigung, da sonst bald große Teile unseres kulturellen Erbes verloren geht.


Einen passenden Lösungsvorschlag hat der Historiker und Afrikawissenschaftler Jürgen Zimmerer gefunden. Die Denkmäler sollten nicht zerstört oder abgerissen werden. Es sollte stattdessen auf den historischen Kontext verwiesen werden oder eine Verfremdung stattfinden. Hierfür könnten die Statuen auf den Kopf gestellt, hingelegt oder halbiert werden, wobei eine Hälfte stehen bleibt und die andere vergraben wird. Dieser Vorschlag scheint ein guter Anfang zu sein und eine Alternative darzustellen.
Sachquellen aus der Vergangenheit müssen geschützt werden, sie geben Auskunft über unsere Geschichte und die Entwicklung unserer Gesellschaft. Doch von einer endgültigen Lösung sind wir noch weit entfernt, deshalb sollte der Diskurs über das Schicksal der Kolonialdenkmäler nicht verstummen.