Kultur

Maori und Maui. Was ist dran am Mythos?

„Ja, ich bin es wirklich, Maui! Zieh´s dir rein. Schon sehr interessant so insgesamt, so ein Halbgott ist halt imposant“. Mit diesen Liedzeilen synchronisiert Andreas Bourani Maui, den Halbgott im Disney Film Vaiana. Der Film mit Ohrwurmpotential erzählt die Geschichte des Halbgottes Maui, der ein Mythos im Leben der Maori ist.

Holzskulptur, pixabay, CC - Lizenz

Ein Einblick in die Kultur der neuseeländischen Ureinwohner
 
Forschende tappen noch immer im Dunkeln, wenn es um die genaue Entstehungsgeschichte der Maori, der Ureinwohner Neuseelands geht. Eine Legende jagt die nächste. Der bereits erwähnte Halbgott Maui ist hierfür ein gutes Beispiel. Singend stellt Andreas Bourani in der deutschsprachigen Version des Disney-Films Vaiana gekonnt Maui vor, der „die Inseln aus dem Wasser gezogen, die Sonne eingefangen und den Wind gezähmt hat“. Doch der Film traf nicht nur auf positives Feedback, sondern erhielt starken Gegenwind: „Maui sieht aus, als habe er die Inseln aus dem Pazifik gefischt, sie frittiert und dann gegessen“. Die Meinung des Rugby-Spielers Eliota Fuimaono-Saplu schließt sich an die Ansicht zahlreicher Menschen über die kräftige Darstellung des Halbgottes im Film an. „Diese Disneyfigur wirft ein negatives Bild auf die rund eine Million Polynesier*innen“, so die neuseeländische Politikerin Jenny Salesa. Obwohl es Kritiken von verschiedenen Seiten zur Darstellung Mauis gibt, wird dennoch ein Mythos der Kultur der Maori aufgegriffen. Was steckt dahinter?


Maori in Neuseeland
Es ist nicht überraschend, dass durch die Kolonisation und die Eroberung Neuseelands durch die Briten, die traditionelle Kultur der Ureinwohner, der Maori, zunehmend verdrängt wurde. Obwohl die Maori gerade einmal 14 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, spürt man deren Kultur dennoch im ganzen Land.
Niklas B. ist Student und lebte für ein Jahr in Neuseeland. So schildert er seine Eindrücke: „Was mir aufgefallen ist, ist dass der Tourismus im Zusammenhang mit den Maori eine wichtige Rolle spielt. Es gibt extra Touren zu den Maoris, wobei eigentlich nur Geld verdient wird - ehrlich gesagt etwas schade“. Doch es gibt auch ganz andere Wege, der Kultur der Maori auf den Zahn zu fühlen. „Zum Beispiel war ich am Flughafen in Auckland als ich direkt eine große Holzfigur sah, die nach der Tradition der Maori geschnitzt wurde“, berichtet Niklas.


Haka
Das Leben der Maori hat sich durch die Kolonisation drastisch verändert und dennoch sind einige kulturelle Traditionen erhalten geblieben, wie zum Beispiel der Tanz „Haka“: „Die Maori leben in einer Gesellschaftsform, die von kriegerischen Handlungen dominiert wurde“, so der Historiker Mikaere. Haka ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig, denn vor Beginn einer solchen Auseinandersetzung wurde ein Tanz aufgeführt, um sich auf die Schlacht einzustellen. „Durch ausladende Bewegungen, furchteinflößende Mimik und Sprechgesang wurde der Gegner eingeschüchtert“, schreibt Alexandra Stober, Redakteurin bei planet wissen. Allerdings erhielten die kriegerischen Auseinandersetzungen unterschiedlicher Maori-Stämme eine völlig neue Dimension, nachdem die Europäer ihre Waffen in Neuseeland einführten. Sie entwickelten sich zu blutigen Kämpfen. Mittlerweile wird Haka nur noch für Touristen oder Gäste aufgeführt oder bei Sportereignissen verwendet. Auch die All Blacks, eine neuseeländische Rugby-Mannschaft, tanzen vor ihren Spielen den traditionellen Haka der Maori. „Damit habe ich nicht gerechnet, war aber von der Kraft des Tanzes beeindruckt“, berichtet Niklas B. von seinem ersten Spielbesuch. Diskussionen und Debatten hin oder her – ein Teil der Kultur der Maori wird wohl noch weiterhin ungeklärt bleiben und den Mythos auch um den Halbgott Maui weiterleben lassen.