Wer eine Reise in dieses vielseitige Land plant, sollte einige Dinge im Voraus wissen: Direkt nach der Passkontrolle am Flughafen findet sich ein Geldwechselstand, an dem man zu einem relativ guten Kurs Euro in Dirham umtauschen kann. Es lohnt sich, gleich mehrere Hundert Euro zu wechseln, um nicht – so wie wir – jeden zweiten Tag nach einer Wechselstube suchen zu müssen. Auch SIM-Karten mit mobilem Internet sind problemlos am Flughafen vor dem Ausgang erhältlich.
Unsere erste Station war Marrakesch – eine Stadt, in der Entspannung kaum möglich scheint. In den engen Gassen der Souks wurden wir ständig von Verkäufer*innen angesprochen, während gleichzeitig sieben Motorräder versuchen durch die Menschenmengen an uns vorbeizufahren. Aber trotz dieses Chaos hat Marrakesch auch eine ruhige, beeindruckende Seite: kunstvolle Orte wie die Medersa Ben Youssef, der Bahia-Palast oder der Jardin Majorelle mit dem angrenzenden Yves-Saint-Laurent-Museum bieten farbenprächtige Rückzugsorte. Auch unser Riad, eine traditionelle Unterkunft, war eine kleine Oase mitten im Trubel. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir das günstige Essen und die große Gastfreundschaft: Hähnchen-Tagine, Makfoul- Tagine oder mediterrane Mkila sowie süßer Verbenatee gehörten schnell zu meinen Favoriten.
Weiter ging es mit dem Bus nach Essaouira. Die Fahrt war alles andere als angenehm – es war eiskalt, und wir hatten unser letztes Geld für Kaffee ausgegeben. So standen wir schließlich ohne Geld an der Bushaltestelle – gestrandet in einer fremden Stadt. Es war Ramadan, die Straßen leerten sich, die Läden waren geschlossen. Kein Geld, kein Ausweg, keine Ahnung, wie wir zu unserem Hostel kommen sollten. Für einen Moment fühlte es sich an, als säßen wir wirklich fest. Dann, wie aus dem Nichts, hielt ein Taxifahrer – unsere Rettung. Mit einem kurzen Zwischenstopp zum Geldwechseln brachte er uns schließlich doch noch ans Ziel.
Essaouira wirkte wie das genaue Gegenteil von Marrakesch: ruhig, entspannt und am Meer gelegen, ganz anders als der Trubel der Großstadt. Die blauen Fassaden der Häuser und die vielen Katzen verleihen der Stadt eine besondere Atmosphäre. Nach mehreren Einladungen zum Iftar – dem abendlichen Fastenbrechen – nahmen wir schließlich eine an. Gemeinsam mit anderen Reisenden und Einheimischen verbrachten wir den Abend mit Essen, Musik, Gesprächen und Kartenspielen – begleitet von einer verspielten Babykatze.
Die Weiterfahrt nach Agadir, einer modernen Küstenstadt am Atlantik, erwies sich als die anstrengendste Etappe unserer Reise. Die kurvenreiche Strecke sorgte dafür, dass vielen Fahrgästen schlecht wurde. Umso größer war die Erleichterung, als wir nach qualvollen drei Stunden endlich ankamen und uns auf ein Hotel mit eigenem Bad und Balkon freuen konnten.
Am nächsten Tag zog es uns nach Taghazout – ein kleiner Küstenort, der besonders bei Surfer*innen und Skater*innen beliebt ist. Nach einer überfüllten Busfahrt, bei der wir 40 Minuten stehen mussten, wurden wir mit frischer Meeresluft und einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Vom Skatepark auf dem Hügel blickt man auf den Atlantik – ein Anblick, der alles andere vergessen lässt. Doch auch hier blieb es abenteuerlich: Auf der Rückfahrt saßen wir in einem Bus, dessen Tür während der Fahrt im Regen zunächst offen blieb. Am Ende konnten wir über solche Situationen nur noch lachen.
Ein besonderes Highlight erwartete uns am letzten Tag: Früh morgens, geweckt vom Ruf der Moschee, machten wir uns auf den Weg zum Quadfahren und Sandboarden in den Dünen. Nach einer kleinen Nahtoderfahrung – meine Freundin saß am Steuer unseres Quads – ging es für uns auf die Sandboards: ein unvergessliches Erlebnis. Wir streichelten Kamele, tranken Tee und genossen die weite Landschaft im bislang stärksten Wind.
Am Nachmittag besuchten wir noch die Medina von Agadir, ein wiederaufgebautes Freilichtmuseum, und spazierten anschließend am Strand entlang. Der Tag endete auf eine unerwartet herzliche Weise: Im Hotel wurden wir vom Manager und seiner Familie spontan zum Iftar eingeladen. Gemeinsam saßen wir am Tisch, probierten marokkanische Spezialitäten und lachten viel.
Es war der perfekte Abschluss eines aufregenden Abenteuers in einem Land voller wunderbarer und herzlicher Menschen.