In den letzen Jahren wurde das Fotografieren mit analogen Kameras immer beliebter. Besonders bei jüngeren Altersgruppen kommt der Trend gut an. Auf Plattformen, wie TikTok oder Instagram häufen sich Beiträge unter dem Hashtag #analogefotografie. In der heutigen zunehmend digitalen Welt scheint dies zunächst widersprüchlich. Fast jedes Smartphone verfügt über eine hochauflösende Kamera. Innerhalb von Sekunden können makellose Bilder geschossen, bearbeitet und geteilt werden. Warum gehen trotzdem viele den Umweg über teure Filmrollen, zeitaufwendige Entwicklung und unvorhersehbare Ergebnisse? Die Antwort: eine Sehnsucht nach Imperfektion.
In einer Gesellschaft in der ständig nach Perfektion gestrebt wird, Schönheitsoperationen immer geläufiger werden, Filter und weichgezeichnete Bilder uns überall begegnen, suchen wir oft nach einem Ausweg. Für viele bedeutet dies, die alten Kameras der Großeltern herauszukramen und herumzuexperimentieren.
Auf sozialen Medien sind analoge Bilder sofort erkennbar. Die Farben sind wärmer, harmonischer und jedes Bild ist einzigartig. Ob leicht unscharf, überbelichtet oder mit Entwicklungsfehlern, jedes Bild erzählt eine Geschichte. Was bei digitalen Bildern als Makel gilt und mit einem Klick entfernt wird, ist bei analoger Fotografie Teil der Ästhetik.
Auch der Umgang mit Fotografie verändert sich. Während digital unbegrenzte Mengen an Bildern geschossen werden können, bleibt bei einer Filmrolle nur Platz für 24 oder 36 Aufnahmen. So werden besondere Augenblicke viel bewusster eingefangen. In einer Welt in der alles schneller zu werden scheint, wirkt dies wie ein langsames und tiefes Ein- und Ausatmen. Herunterkommen. Den Augenblick genießen und schließlich voller Vorfreude auf die entwickelten Bilder warten.