Digitale Welt

Squid Game – Todesspiele werden zum Hit auf deutschen Schulhöfen

Eine gewaltverherrlichende Serie, die Millionen Zuschauer:innen vor die Fernseher lockt, sorgt für Furore in Schulen.

(c) Chetraruc / Pixabay

Die südkoreanische Netflix-Serie Squid Game ist im September 2021 erschienen und erreicht auf der beliebten Streamingplattform laut Tagesschau bereits in den ersten vier Wochen unerwartete Zuschauerrekorde (142 Mio.). Gleichzeitig wird sie zum Problem auf den Schulhöfen der Bundesrepublik. Doch was verbirgt sich hinter dieser Serie und was macht sie attraktiv für Schüler:innen? Wir klären auf.  

Auf Netflix findet sich folgende Kurzbeschreibung: „Gi-hun ist pleite und hofft, durch die Teilnahme an einem rätselhaften Spiel schnell zu Geld zu kommen. Bereits in der ersten Runde geschieht Schreckliches.“ Menschen in Notlage werden entführt und an einen geheimen Ort verfrachtet, wo sie fortan Kinderspiele bewältigen müssen, um in die nächste Runde zu kommen. „Rotes Licht, grünes Licht“ – in Deutschland besser bekannt als „Wetter, Donner, Blitz“ oder „Ochs am Berg“ – und „Tauziehen“ sind nur zwei Beispiele. Wer am Ende als Gewinner hervorgeht, erhält das stattliche Preisgeld in Höhe von 45,6 Milliarden Won. Umgerechnet sind das 33,3 Millionen Euro.

Wenn Sie nun denken, dass sich das zu leicht anhört, liegen Sie richtig. Denn wer verliert wird nicht nur disqualifiziert, sondern hingerichtet. Die Redewendung „über Leichen gehen“ ist hier wörtlich zu verstehen. Squid Game entpuppt sich als eine Serie, in der Kapitalismus und Egoismus einen hohen Stellenwert einnehmen.

Auch auf den deutschen Schulhöfen ist Squid Game angekommen. Zugang, zu der ab einem Alter von 16 Jahren empfohlenen Serie, erhalten nach Angaben des “Landesmedienzentrums Baden-Württemberg” bereits Grundschulkinder, vor allem über mobile Endgeräte, Netflix-Familienzugänge und ältere Jugendliche. Die Spiele werden von den Kindern in abgewandelter Form nachgespielt. So erhalten die Verlierer:innen des Spiels „Rotes Licht, grünes Licht“ beispielsweise Ohrfeigen, werden spielerisch getötet oder von ihren Mitspielenden beleidigt.

“Wenn Kinder beim Spielen Gewalt thematisieren, drücken sie damit aus, inmitten einer fremdbestimmten Welt selbst wirksam zu sein. Das kann beim Töten von Ameisen genauso ausgelebt werden, wie bei mit Lego- oder Matchbox-Figuren inszenierten Massakern, bei Cowboy- und Indianer-Spielen oder beim Völkerball in der Schule. Beim spielerischen Töten erleben sich Kinder als starke Persönlichkeiten, die über die Geschicke anderer lenken können,” heißt es zu diesem Verhalten auf der Website des Kindermedienlands Baden-Württemberg. Gleichzeitig bergen Gewaltdarstellungen jedoch die Gefahr, dass Kinder das gesehene Verhalten übernehmen und als zunehmend normal empfinden.

Eltern, sowie Pädagogen und Pädagoginnen wird im Zusammenhang mit Squid Game daher nahegelegt den Zugang zu nicht geeigneten Inhalten durch technische Vorkehrungen, wie Kinderprofile, als auch durch Absprachen zu erschweren. Das Kindermedienland Baden-Württemberg empfiehlt Eltern, deren Kinder die Serie bereits rezipiert haben, das Gespräch zu suchen. „Eltern können zugeben, dass ihnen solche Szenen auch Angst machen und dass sie davon schockiert sind. Aber gleichzeitig auch vermitteln, dass Mut nicht im Aushalten von Gewalt besteht, sondern im Nein-Sagen, Abwenden oder Verhindern von Gewalt.“ Inhaltlich bietet das mit der Serie auftretende Phänomen der Gewaltnachahmung damit auch die Chance eine Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und Verhaltensweisen anzuregen und Gewalt, Armut und soziale Ungleichheit zu thematisieren.