Campusleben

My body, my choice: Warum wir uns die nervigen Fragen zum Kinderwunsch wirklich sparen sollten

Um eines direkt klarzustellen: Ja, ich möchte gerne Kinder bekommen. Und ja, ich weiß, dass ich “schon” 32 bin. Aber: Nein, ihr habt nicht das Recht, euch in meine Lebensplanung einzumischen, also behaltet eure Anmerkungen zu meinem Alter und der tickenden biologischen Uhr bitte für euch. Herzlichen Dank.

Eine Kolumne von Charoula Kostakopoulou und Leonie von Bülow

Mit 18 dachte ich, mit 25 wäre ein guter Zeitpunkt für ein Kind. Mit 25 dachte ich, so mit 30 geht ja eigentlich auch noch. Tja, was soll ich sagen? Das Leben verläuft nicht immer nach Plan und so wie mir geht es vielen Frauen. Wir werden nach wie vor von der Gesellschaft stigmatisiert, wenn wir uns dazu entscheiden, erst spät oder überhaupt nicht Mutter zu werden. Wir sollten meinen, wir leben in einer Zeit, in der wir modern und unvoreingenommen anderen Menschen begegnen - Pustekuchen! Noch immer wird es als problematisch angesehen, wenn Frauen sich zuerst auf ihre Karriere und ihre Unabhängigkeit konzentrieren. Die erhobenen Zeigefinger unserer Mütter, Großmütter oder Freund*innen mit Kindern schweben über jeder unserer Lebensentscheidungen, die nicht Baby heißt: Achtung! Sonst ist es vielleicht irgendwann zu spät. Tick, tick, tick… Nun, und dann? Was wäre denn, wenn es tatsächlich zu spät wäre und wir keine Kinder mehr bekommen könnten? Würde sich dann der Boden auftun und die Hölle der Kinderlosen würde uns verschlingen? Again: It’s none of your business. Tatsächlich können Frauen auch ein glückliches Leben führen, ohne jemals ein Kind auf die Welt gebracht zu haben. Laut einer Studie der Universität Princeton sind Eltern mit Kindern nämlich nicht glücklicher als Menschen ohne Kinder. Nimm das - du blödes Stigma!

Abgesehen davon, dass viele Frauen heutzutage einfach später Mutter werden möchten, als es vielleicht vor ein paar Jahrzehnten noch der Fall war, so sollten wir uns auch darüber bewusst sein, dass es auch Frauen (und Männer) gibt, die schlichtweg keine Kinder bekommen können, es aber unglaublich gerne würden. Wenn Onkel Harry also beim nächsten Grillfest seiner Nichte Louise einen lustigen Spruch über ihre bald zu erwartende Schwangerschaft drückt, so kann er sich nie sicher sein, dass Louise daraufhin nicht in ein emotionales Loch fällt, sobald sie nach Hause kommt, weil er den Finger schön tief in die offene Wunde gedrückt hat. Oder nehmen wir beispielsweise meine 21-jährige Kommilitonin: Sogar sie erfährt durch ihre griechische Großfamilie Druck bezüglich ihrer Familienplanung. Auch wenn hier zwei Kulturen aufeinandertreffen, die traditionell sehr unterschiedliche Familienkonstrukte aufweisen, so ist auch für sie - mit ihren süßen 21 - das Thema bereits ein ständiger Begleiter. Wieso werden wir Frauen weltweit auf das Muttersein reduziert, wo wir doch so viel anderes zu bieten haben?

Sexualpsychologe und Paartherapeut Christoph J. Ahlers weist in einem Interview mit der Brigitte außerdem daraufhin, dass Frauen sich häufig Kinder wünschen, da ihnen im Leben etwas fehlt und sie versuchen, diese Lücke durch ein Kind zu schließen. So ist es nicht verwunderlich, dass in seltenen Fällen Regretting motherhood (das Bedauern der Mutterschaft) auftritt. Laut der israelischen Soziologin Orna Donath beschreibt dieser Begriff Frauen, die es nach der Geburt dauerhaft bereuen, je Mutter geworden zu sein. Bevor wir uns also der Rolle ergeben, die uns die Gesellschaft aufzwingen möchte, so sollten wir uns fragen, ob wir auch wirklich aus uns selbst heraus das Bedürfnis verspüren, Mutter werden zu wollen, oder ob wir uns damit vielleicht überhaupt keinen Gefallen tun. Denn: Nicht jeder Mensch ist dazu gemacht, ein Kind großzuziehen - und das ist auch völlig ok so!

Wenn ich also zuerst studieren möchte (liebe Familie, liebe Freund*innen, liebe Gesellschaft) - so ist das ganz allein meine Entscheidung! Wenn ich noch ungebunden und ohne Verpflichtungen reisen und feiern gehen möchte - so ist auch das ausschließlich meine Angelegenheit! Und wenn ich keine Kinder bekommen möchte oder vielleicht keine Kinder bekommen kann - so spart euch doch beim nächsten Grillfest bitte eure Kommentare zu meiner Fruchtbarkeit oder eure abschätzigen Blicke auf mein “potenzielles Baby-Bäuchlein”. Das ist nämlich immer da, auch ohne Baby. Get over it. Ich sage euch ja schließlich auch nicht, wie ihr euer Leben zu leben habt.