Campusleben

Studieren mit Kind – Wie gut ist das machbar?

Julika und Yolanda sind Studentinnen an der PH Ludwigsburg. Das Besondere: beide studieren mit Kind. Ich habe mich gefragt, warum sie sich für diese Kombination entschieden haben, und wie sie ihren Alltag, gerade zu Zeiten von Corona meistern.

Julika bekam ihr Kind, ehe sie eine berufliche Entscheidung traf: Studium oder Ausbildung? Diese ist ihr nicht leichtgefallen. Bei der Wahl einer Ausbildung hätte sie von Beginn an Geld verdient und schneller ins Berufsleben einsteigen können. Jedoch war der Lehrberuf schon lange ihr Traum gewesen… Und so beriet sie sich mit ihrem Mann und ihrer Familie und informierte sich in Schwäbisch Gmünd und Ludwigsburg zum Thema Studieren mit Kind. Dabei hatte sie bemerkt, dass sie sich ihren Stundenplan selbst gestalten, und ihre Zeit somit flexibel einteilen können würde, während sie bei einer Ausbildung immer mindestens acht Stunden am Tag unterwegs gewesen wäre.
Was lässt sich besser mit der Familie vereinbaren, ist aber auch finanziell möglich?
Die Entscheidung ist ihr schwergefallen, aber heute ist sie sich sicher, die richtige getroffen zu haben.

Anders war die Ausgangslage bei Yolanda. Sie begann erst ihr Studium, wusste aber schon immer, dass sie gerne jung Mutter werden würde. Vorstellen konnte sie sich dies auch während des Studiums. Sorgen, dass sie das zeitlich oder finanziell schaffen würde, hatte sie keine:


„Vermutlich auch, weil mein Onkel damals während seines Studiums Vater wurde, und ich dadurch wusste, dass es geht.“


Dennoch hat auch sie sich während der Schwangerschaft im Gleichstellungsbüro der PH informiert, die Studienberatung und das Studierendenwerk besucht, sich um Jobcenter-Leistungen bemüht und Abende gemeinsam mit ihrem Partner vor dem PC verbracht, um sich nach Möglichkeiten finanzieller Unterstützung zu erkundigen.
Heute ist ihr Kind 14 Monate alt. Und während sie früher noch dachte, sie würde die Kleine „erst mit drei oder so“ in die Kita bringen, weiß sie heute, dass daraus nichts wird. Denn sobald die Online-Lehre endet und der Präsenz-Unterricht fortgesetzt wird, werden sie es ohne zusätzliche Betreuungshilfe nicht schaffen.

Auch Julika ist dankbar für die Kita und ihre Familie, die sie bei der Kinderbetreuung ebenfalls unterstützt:


„Die familiäre Unterstützung ist – für mich zumindest – sehr wichtig. Ansonsten könnte ich mir nicht vorstellen, mit Kind zu studieren.“


Diese war in den letzten Monaten besonders gefragt, da der Kleine aufgrund von Corona viel privat betreut werden musste. Dadurch kam es teilweise auch dazu, dass Julika Vorlesungen hatte, während sie ihr Kind betreute.


„Das hat aber recht gut funktioniert, weil ich mir viele Beschäftigungen überlegt habe, die er nebenher am Schreibtisch machen kann. Wir haben es dann immer Uni-Zeit genannt und dann haben wir beide quasi ‚Uni‘ gemacht.“


Dennoch ist sie dankbar für die Onlinesemester: Der lange Anfahrtsweg fiel weg, wodurch sie mehr Zeit zu Hause hatte. Zudem konnte sie mehr Veranstaltungen belegen, weil sie weniger auf deren Zeiten achten musste und das meiste abarbeiten konnte, während ihr Sohn betreut wurde.


„Deshalb hoffe ich, dass es weiterhin ein Onlineangebot geben wird, weil ich das sehr gut in meinen Alltag mit Kind integrieren kann.“

Yolanda erging es diesbezüglich ähnlich. Auch sie musste während der Online-Semester bei der Stundenplanerstellung aufgrund der vielen asynchronen Veranstaltungen keine Rücksicht auf ihr Kind nehmen. Dies wird sich aber ändern, wenn sie wieder das PH-Gelände besucht: Dann wird sie sich hauptsächlich nach den Kita-Zeiten richten (müssen). Falls sie ihr Kind einmal mitnehmen würde, fände sie einen Eltern-Kind-Raum an der Hochschule hilfreich. Dieser könnte aufgesucht werden, wenn sie mit dem Kind kurz vor die Türe müsste, aber auch um Pausen oder Freistunden zu überbrücken.
Zum Schluss wollte ich noch wissen, was sie anderen mitgeben wollen würde, die überlegen während des Studiums ein Kind zu bekommen:


„Wow, da bin ich jetzt vielleicht die falsche Ansprechpartnerin.“, antwortete sie darauf lachend, „Studium ist nicht alles. Es kann stressig werden, aber es ist machbar. Keine Panik; man bekommt alles irgendwie hin.“