Campusleben

Von Desinfektionsplänen, eifrigem Lüften und WGs, in denen Freundschaften entstehen

Die einen flüchten zurück ins Hotel Mama, die anderen halten die Situation in der WG aus. Und mit ein bisschen Glück sitzt dann auch keiner – statt zu fünft – alleine am Küchentisch und wälzt sich durch „WG-gesucht“, um der eigenen, ausgestorbenen Wohngemeinschaft wieder ein bisschen Leben einzuhauchen.

Wenn normalerweise die Freude auf Putzplan, Einkauf und Mülldienst schon nicht riesig ist, wird sie durch regelmäßiges Lüften, Desinfektionspläne und WG-Terminkalender nicht zwingend größer. Während die einen tagelang Teller in der Spüle stapeln, bis die Schränke nichts mehr hergeben und einmal im Schaltjahr den Putzschrank von innen sehen, kochen die anderen Besteck ab, um es anschließend zu desinfizieren. Sie möchten, dass alle, die das eigene Zimmer verlassen, vorher ihre Fenster öffnen und stellen ganze Kanister von hochdosiertem Desinfektionsmittel ins Bad, damit nach jedem Toilettengang alles gereinigt wird. Auch von kompletter Isolation bis hin zur kleinen WG-Party ist so ziemlich alles dabei. Einen WG-Terminkalender, in dem Zeiträume für den Besuch von Freund*innen reserviert werden können, gibt es zwar, doch nutzen ihn längst nicht alle, was nicht unbedingt eine gute Basis für entspanntes Zusammenleben bietet. Und wenn dann alle – ganz unabhängig voneinander, meistens jedoch durch Maßnahmen, die überhaupt nicht auf Studierende oder gar WGs ausgelegt sind, oder durch die teils wundervoll anregende, vielfältige, überhaupt nicht textorientierte oder anstrengende Onlinelehre verursacht – genervt sind, macht das Zusammenwohnen am allermeisten Spaß!

Die sonnigen Zeiten in diesem ganzen Durcheinander von Aprilwetter dürfen aber keinesfalls in Vergessenheit geraten! Statt dem Klingeln des Weckers in den frühen Morgenstunden und dem schnellen Kaffee in der S-Bahn gibt es jetzt frisch gebackene – oder gekaufte – Brötchen und einen Brunch bis zur Mittagszeit, außer die Vorlesung um acht findet als Videokonferenz statt – in diesem Fall wird das Bett meist trotzdem nicht vor zehn verlassen. Auch beim nachmittäglichen Kaffeeklatsch, einer ausgiebigen Kochsession am Abend oder auch bei einem gemeinsamen Feierabendbierchen findet sich viel „qualitytime“, in der Mitbewohner*innen zu Freund*innen werden (können). Die Zeit, die sonst durch das Fahren mit der S-Bahn – oder auch ganz nachhaltig mit dem Rad – durch das Sitzen in stickigen Vorlesungssälen und abends in Bars und Kneipen verbracht würde, findet nun in den eigenen vier Wänden statt – oder eben im Hotel Mama.