Campusleben

Studieren mit Kind - Ein Mutmach-Artikel einer Studierenden

Studium, Kind, Haushalt und Nebenjob unter einen Hut zu bekommen und zusätzlich für einen Ausgleich zu sorgen, benötigt großes Organisationstalent.

Laut einer Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks haben sieben Prozent der Studierenden in Deutschland ein Kind. Diese müssen im Vergleich zu ihren kinderlosen Kommilitonen ihr Studium viermal häufiger abbrechen oder mehrfach eine Unterbrechung einlegen.

Ein Kind während dem anspruchsvollen Studium bringt viele Hürden mit sich, aber Jennifer Stanger, eine Studentin der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, ist das beste Beispiel dafür, dass es auch klappen kann und spricht daher vielen anderen Eltern oder werdenden Eltern großen Mut zu.
Sie hat sich bewusst für ein Studium mit Kind entschieden, da sie nicht nur Mama sein wollte, sondern auch ihre eigenen Träume leben und ihre Ziele nie aus den Augen verlieren will.
Ihr war von Anfang an klar, dass es nicht einfach werden würde. Dazu mussten auch Abstriche gemacht und ihr Leben umorganisiert werden. Dies lohnt sich aber in jedem Fall.

Der Zeitfaktor

Jennifer Stanger hat für sich das perfekte Zeitmanagement gefunden, um allen Bereichen gerecht zu werden. Ihre Veranstaltungen legt sie, wenn möglich, auf den Vormittag. In dieser Zeit ist ihr Sohn im Kindergarten. So hat sie nachmittags immer noch genug Zeit für ihn. Wenn aber doch einmal was dazwischenkommen sollte, so ist ihr Mann oder die Oma eine perfekte Stütze. Es gibt ihrer Meinung nach nichts Schöneres als eine gute Beziehung zwischen Oma und Enkel und dies ist in ihrem Fall mehr als gegeben. „Auch für die Oma ist es sehr schön zu wissen, dass sie gebraucht wird.“

An der Pädagogischen Hochschule gibt es verschiedene Beratungsstellen, die einem jederzeit bei Fragen helfen. Unter anderem kann man sich an das Gleichstellungsbüro wenden oder die Sozialberatung aufsuchen. Die PH kann aber auch bei zeitlichen Problemen helfen. Beispielsweise kann ein Antrag beim Prüfungsamt gestellt werden, wenn bei einer Hausarbeit mehr Zeit benötigt wird. In jedem Fall ist es wichtig, mit den Dozent*innen zu sprechen und die eigene Situation zu schildern. Meist kommen sie einem entgegen oder man kann mit ihnen eine spätere Abgabe vereinbaren. Jennifer Stanger erledigt ihre Aufgaben sehr zeitnah, sodass sie diese Hilfe noch nicht in Anspruch nehmen musste. Die Aufgaben nicht unnötig lange vor sich herzuschieben, empfiehlt sie aber nicht nur Studierenden mit Kind.

An der Hochschule gibt es außerdem einen kostengünstigen Kindergarten des Studierendenwerks, in den sie ihren Sohn bringen könnte. Die Familie hat sich jedoch dafür entschieden, dass der Kleine in den ortsansässigen Kindergarten geht, damit er später mit seinen Kindergartenfreunden in die Schule gehen kann.

Zwar war die Corona-Pandemie ein weiterer Organisationsfaktor für die kleine Familie, da ihr Mann aber im Homeoffice arbeiten konnte, haben sich die Eltern nach Absprache um den kleinen Sohn gekümmert und konnten die Zeit mit ihm nochmal auf eine ganz andere Art und Weise genießen. Ein weiterer positiver Aspekt hatte die Pandemie auch – der lange Anfahrtsweg zur Hochschule konnte gespart werden und dadurch blieb viel wertvolle Zeit für andere schöne Dinge mit der Familie.

Der finanzielle Aspekt

Für Jennifer Stanger gibt es auch eine finanzielle Unterstützung. Abgesehen von ihrem Nebenjob bekommt sie ein Aufstiegsstipendium in Höhe von 1.091€ monatlich, welches ihr alle drei Monate ausbezahlt wird. Dies bekommt sie für das gesamte Bachelorstudium. Es entlastet sie und ihrer Familie sehr und es ist auf jeden Fall lohnenswert, sich hierfür zu bewerben. Im Masterstudium wird sie sich erneut bewerben.

Wünsche und Anregungen

Jennifer Stanger hat gezeigt, dass es Unterstützung und viele Möglichkeiten gibt, die ausgeschöpft werden können. Allerdings hat sie auch den ein oder anderen Verbesserungsvorschlag für die Hochschule. Sie fände es toll, wenn es an der Hochschule Elternparkplätze geben würde, da sie einen Anfahrtsweg von mindestens 45 Minuten hat und der Kindergarten erst um 7:30 Uhr öffnet. Die Parkplatzsuche ist dann immer ein enormer Stressfaktor am Morgen, sodass man leider öfters auch zu spät zur ersten Vorlesung kommt. Zudem hat sie es teilweise als Entlastung erlebt, die Vorlesungen online besuchen zu können. Dies könnte ihrer Meinung nach weiter zusätzlich angeboten werden.