AUFREGER!

Das Leben einer Pendlerin - Mehr als nur ein Abenteuer

Jede*r kennt das Monopol, jede*r hat schon mal Gebrauch davon gemacht. Die Deutsche Bahn. Wem hat sie aber ihren schlechten Ruf zu verdanken?

Schule, Studium, Arbeit. Viele kommen nicht daran vorbei, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, um jeden Tag an ihr Ziel zu gelangen. Kaum wird das Haus verlassen, beginnt schon das Abenteuer. Der Bus verspätet sich, der anschließende Zug, welcher sonst immer zu spät ist, kommt ausgerechnet heute pünktlich an und die Vorlesung, die sowieso nur anderthalb Stunden dauert, wird entweder verpasst oder verspätet angehört. Insbesondere als pendelnde Studentin ist das Leben als Deutsche-Bahn-Abhängige nicht nur anstrengend, sondern ebenso nervenzerreißend. Vielleicht wäre es eine gute Idee, auf die Tickets eine kleingedruckte Empfehlung zu drucken, ein bis zwei Stunden früher loszufahren, um genau solchen Erlebnissen zu entgehen. Laut der Deutschen Bahn seien im Jahr 2021 nur rund 75 Prozent der Züge im Fernverkehr pünktlich gewesen. Ausgenommen sind dabei Züge, die ausgefallen sind und weniger als sechs Minuten verspätet ankamen. Diese Zahl sei im Gegensatz zum Vorjahr um sieben Prozent gesunken. Aber was sind die Gründe für diese häufigen Verspätungen der Deutschen Bahn?

Mit einem Blick in die Deutsche Bahn App müsste diese Frage eigentlich geklärt werden. Wenn da nicht bloß bei jedem Ausfall und bei jeder Verspätung, auf die verwiesen wird, „Reparatur am Zug“ zu lesen wäre. Bei der Anzahl der Züge, die repariert werden müssen, ist es fraglich, wie sicher das Fahren mit dem öffentlichen Nahverkehr denn sein kann.
Da also selbst die App keine hilfreichen Antworten liefern kann, muss zu  anderen Mitteln gegriffen werden. Was könnte nun der wahre Grund für diese häufigen Verspätungen sein, wenn nicht häufige Reparaturmaßnahmen der Gefährte dafür verantwortlich sind?

Oft geschieht es, dass der Zug, oder auch die Bahn, mitten im Nirgendwo stehenbleibt, obwohl die nächste Haltestelle noch nicht erreicht ist. Durch die Durchsage des Lokführers werden die Fahrgäste darüber informiert, dass der vorliegende Streckenabschnitt, der befahren werden muss, von einem anderen Zug besetzt ist. 

Während der Corona-Pandemie sei es gemäß der Deutschen Bahn zu selteneren Verspätungen gekommen, da weniger Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fuhren und die Züge und Bahnen dadurch nicht durch große Menschenmengen aufgehalten wurden. Aufgrund der Änderung der Fahrpläne seien außerdem weniger Züge unterwegs gewesen, die sich gegenseitig aufhalten konnten. Seit der Lockerung der Maßnahmen sind nun wieder mehr Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und die Fahrpläne sind demnach auch voller. Es sind also wieder mehr Züge und Bahnen unterwegs.

Bei diesem Problem schießt jedem Fahrgast direkt eine Sache in den Kopf: Bei der Anzahl an offenen Baustellen ist es doch kein Wunder, dass nichts vorankommt. Die größte Baustelle im Raum Stuttgart ist das seit 2010 begonnene Projekt Stuttgart 21. Da der jetzige Bahnhof und Streckenplan für die Kapazität an Zügen nicht mehr ausreichen, werde das Streckennetz ausgebaut, so die Deutsche Bahn. Viele Strecken von Paris bis nach Budapest sollen weiter ausgebaut werden und das Befahren mehrerer Züge möglich machen. Vorausgesetzt, das Projekt wird in den nächsten Jahren vollendet. Da stellt sich nur die Frage, wann das Projekt, das eigentlich bis 2019 beendet sein sollte, fertiggestellt wird. Aktuell sei die Inbetriebnahme im Jahr 2025 vorgesehen. Da liefern sich die langwierigen Baustellen mit den unpünktlichen Zügen ein aufregendes Kopf-an-Kopf-Rennen.

Nun, egal wie haarsträubend das Fahren mit der Deutschen Bahn auch ist, so bleibt uns Pendlern nichts anderes übrig, als uns dem täglichen Abenteuer hinzugeben und uns zu freuen, wenn wir unser Ziel erreicht haben. Wenn das große Projekt tatsächlich so viel bewirken soll, wie es uns verspricht, müssen wir die ständigen Verspätungen und Ausfälle wohl bis zur geplanten Inbetriebnahme hinnehmen.