AUFREGER!

Bis dann, Kliemann. Oder vielmehr: Fin, Fynn.

Am 6. Mai 2022 stellt ein Video des ZDF Magazin Royale das Leben des Influencer-Saubermanns Fynn Kliemann gehörig auf den Kopf. In knapp 28 Minuten beendet Jan Böhmermann, auf eindrucksvolle Weise, die Karriere des „Kliemanns-Landesvaters“. Am Ende des Beitrags verlässt die Band den Raum, es läuft ein Track von Fynn höchstpersönlich und ein sichtlich enttäuschter Böhmermann bleibt im abgedunkelten Studio zurück. Und ich? Ich kann nicht glauben, was mir hier gerade vorgesetzt wurde, aber begreife sofort: das hier ändert alles.

Ein Kommentar von Steffen Mönch.

Zerstörte Masken, umgeben von zerknüllten Schlagzeilen rund um Fynn Kliemann.

„Krise kann auch geil sein“ – so lautete eine der geleakten und hochbrisanten WhatsApp-Nachrichten von Fynn Kliemann, in Bezug auf seine geilen Maskendeals, mit welchen er wohl sehr geiles Geld verdienen konnte. Etwa 30.000 seiner Instagram-Follower sahen dies jedoch gänzlich anders und haben sich deshalb, innerhalb der letzten zehn Tage, dazu entschlossen, Kliemanns Instagram-Account zu entfolgen.

Aber der Reihe nach, um an dieser Stelle meinen Mitbewohner zu zitieren: „Wer zur Hölle ist denn Fynn Kliemann?“. Hier eine Kurzfassung für all jene unter euch, die vielleicht nicht direkt hinterm Mond, aber wohl doch weit genug entfernt vom Kliemannsland-Kosmos leben: Fynn Kliemann ist 34 Jahre alt und laut Wikipedia ein Influencer, Musiker und YouTuber. Angefangen hatte vor einigen Jahren alles ganz harmlos, mit eher unbeholfenen Heimwerkervideos. Seine duselige Art kam gut an, er wurde beliebter und berühmter. Bald gab’s dann das sogenannte Kliemannsland, ein alter Bauernhof in Niedersachsen, der zu einem großen Gemeinschaftsprojekt wurde, bei dem die Community mithelfen durfte (unentgeltlich schuften „hust“). Das Projekt rund um Kliemann wurde dann zwischenzeitlich sogar gebührenfinanziert durch Funk, also von ARD und ZDF. Der Vollständigkeit halber sei außerdem kurz erwähnt, Kliemann besitzt zudem, gemeinsam mit dem Entertainer und Liedermacher Olli Schulz, ein Hausboot und hat dessen Umbauprozess von Netflix verfilmen lassen. Er verkauft außerdem, neben seinem eigenen „fairen“ Modelabel ODERSO, seit einiger Zeit überteuerte Kunst und ist unternehmerisch an einem ganzen Geflecht an Firmen beteiligt.

Umso amüsanter erscheint es nun, dass er im Jahr 2021 in einem Videobeitrag noch bemüht sympathisch und bescheiden von sich gibt, privat eigentlich immer pleite zu sein.

Aber an dieser Stelle kurz Stopp: Ich bin keinesfalls ein vor Neid zerfressener Langzeitstudent. Okay, ich werde wohl noch eine ganze Weile studieren. Aber neidisch war ich nie auf Kliemanns Erfolg. Im Gegenteil - Ich habe Fynn bis vor kurzem gerne unterstützt, seine Storys verfolgt, seine Alben gekauft und im Jahr 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, eben auch die besagten Skandal-Masken bestellt. Im Glauben, eine gute Sache zu unterstützen und um faire und in Europa produzierte Masken zu erhalten, orderte ich für mich und meine Familie die Kliemann-Masken direkt bei ihm im Onlineshop. Es schien eine gute Sache zu sein und Masken waren zu diesem Zeitpunkt ein knappes Gut.

Heute erscheint all dies allerdings in einem vollkommen anderen Licht:

„Fynn Kliemann gab gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Tom Illbruck, Geschäftsführer von „Global Tactics”, in Bangladesch und Vietnam im großen Stil produzierte Masken als „fair“ und „in Europa produziert” aus, log über seinen geplanten Profit, betrog seine Kund:innen und täuschte die Öffentlichkeit und seine Fans.“ (lmaafk.de)

Außerdem wurden wissentlich fehlerhafte Masken an Flüchtlingscamps, öffentlichkeitswirksam, gespendet und Kliemann ließ sich dafür als Helden feiern, was ein unfassbar unmenschliches und moralisch höchst verwerfliches Verhalten darstellt. Fans und Geschäftspartner wenden sich jetzt reihenweise ab und der ihm verliehene Nachhaltigkeitspreis wurde ihm wieder aberkannt.

Aber was nun? Egal, wie die zukünftigen Gerichtsprozesse hierzu ausgehen werden, dieser Skandal – er schadet bei Weitem nicht nur Fynn Kliemann selbst. Nein, die Glaubwürdigkeit aller Influencer und Marken nimmt hierdurch einen gewaltigen Schaden. Wenn Kliemann bis vor kurzem noch als einer der aufrichtigen und bodenständigen Influencer galt, na, wem dürfen wir dann ab jetzt überhaupt noch glauben? Wen können wir noch guten Gewissens supporten? Gibt es überhaupt geradlinige Leute (im Internet), die es mit einem wirklich ehrlichen Ansatz versuchen, die Welt ein Stückchen besser zu machen? Wenn die Produkte Kliemanns als nachhaltig und in Europa produziert beworben wurden, wie soll ich diesen Ansatz zukünftig jemals wieder einem Menschen oder einer Marke abnehmen? Denn am Ende muss es doch zwangsläufig über Vertrauen laufen, überprüfen können wir es offensichtlich nicht. Aber, zumindest Fynn Kliemann sei gesagt: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, schon gar nicht, wenn er alle seine Versprechen bricht.

Auf der eigens für diesen Fernsehbeitrag vom ZDF Magazin Royale eingerichteten Website könnt ihr euch diese gesamte Thematik rund um den Maskenbetrug und die weiteren dubiosen Machenschaften Kliemanns nochmals in voller Ausführlichkeit geben.

In diesem Text sollte es ja schließlich nur um meine ganz persönliche Enttäuschung gehen, ODERSO.