Nach der Pause, die alle nutzen, um sich abzukühlen und das Lit-Café durchzulüften, schreitet Sarah erneut zur Tat, um die Autoren der zweiten Vorrunde auszulosen. Diese Runde beherbergt gleich zwei Besonderheiten: Zum Einen tritt mit den Nachwuchsslammerinnen „Hjördi & Jana“ zum ersten Mal ein Team im Wettbewerb an und zum Anderen ist mit „Daréka“ erstmalig ein ausländischer Poet zu Gast, der seine Texte in seiner Muttersprache Französisch darbietet. Bei seiner Performance wird allen deutlich, welchen Sinn der in der Slamszene geläufige Satz „if you can’t understand the poem – feel it!“ hat. Sieger der zweiten Runde wird das Team „Hjördi & Jana“, die allerdings keinen weiteren gemeinsamen Text für das Finale vorbereitet hatten. Aus diesem Grund wird die Zweitplatzierte Jasmin Harrer vom Publikum ins Finale geklatscht. Mittlerweile kommt Hanz zur kurzen Anmoderation des nächsten Poeten schon ohne Sakko auf die Bühne, da die Temperatur unaufhörlich steigt. Temperatur und Stimmung sind vor dem finalen Stechen auf dem Höhepunkt.
Fabian Friedl erzählt im Finale auf selbstironische Weise von seiner Band und liest einen kurzen, sehr politischen Text, in dem er anprangert, dass sich die Mächtigen der Welt beim Kaffeeklatsch ein Tässchen „Konsensmilch“ einschenkten und alles sei wieder gut.
Jasmin berichtet in ihrer humoristischen Kurzgeschichte von ihrem Freund, der sich immer danebenbenimmt und ihr als Wiedergutmachung ein Käselaugenbrötchen mitbringt, das sie gar nicht mag. Diese Geschichte gereicht ihr zum Sieg und so wird erstmalig eine Frau Siegerin des PHoetry sLams.
Das ist besonders hervorzuheben, da bei regulären Poetry Slams, derer es allein in Deutschland über 100 monatlich stattfindende gibt, die Männer deutlich in der Überzahl sind. Das wird durch starke Workshop-Arbeit im U20-Bereich langsam relativiert, da es an vielen Schulen bereits Poetry Slam-Projekte gibt, die vor allem die Mädchen ansprechen und zum Schreiben animieren.
Beim 10. PH-Slam treten auffällig viele Frauen auf, was einerseits natürlich dem Lehramtsstudiengang verschuldet ist, den erfahrungsgemäß vorwiegend Frauen belegen, andererseits dem Seminar „Textwerkstatt“ von Michael Gans, dem Initiator des PHoetry sLams, zuzuschreiben ist, in dessen Verlauf Hanz einen Workshop zum Thema gab, aus dem der Bärenanteil der Poeten dieses Abends entsprungen ist. Hanz gibt regelmäßig Workshops an Schulen, veranstaltet und moderiert die monatlichen Slams in der Ludwigsburger Maxstrasse 1 sowie in der Eichstätter Orangerie und tritt bei Poetry Slams zwischen Kiel und Zürich auf. Er gibt seine Begeisterung weiter, die er für dieses Format entwickelt hat – für die angesagteste Literaturveranstaltung, die Deutschland derzeit zu bieten hat.
Wer einmal auf einem Poetry Slam war, besucht ihn immer wieder – irgendwann vielleicht sogar einmal auf der Bühne. Und wer so eine Veranstaltung noch nie miterlebt hat, sich aber angesprochen fühlt, kann sich auf den Internetportalen YouTube oder www.myslam.de darüber informieren, zum nächsten Poetry Slam in der Nähe gehen oder die „Internationale Textwerkstatt“ im Sommersemester 2010 besuchen, denn dort wird es wieder eine Poetry Slam-Einheit geben und vielleicht kann man dann irgendwann auch mal von sich behaupten, Künstlerin zu sein wie Hjördi und Jana.